(c) Thinkstock/macgyverhh
(c) Thinkstock/macgyverhh
Kolumne

Fünf Regeln für Pressemitteilungen in der Online-PR

Im vierten Teil seiner Kolumne erklärt der freie Journalist und Redenschreiber Claudius Kroker, welche Regeln es beim Einstellen von Pressemitteilungen in Online-Portalen zu beachten gilt.
Claudius Kroker

Im Internet gibt es rund 200 PR-Portale, in denen wir Pressemitteilungen kostenlos einstellen können. Darüber hinaus gibt es kostenpflichtige Angebote, die uns bei der Verbreitung eigener Pressetexte im Web unterstützen. Pressemitteilungen in Portale einstellen: Lohnt sich das? – Ja, wenn man ein paar wichtige Regeln beachtet.

Zum einen richten sich Presseportale im Internet – anders als der direkte klassische Versand von Pressemitteilungen – nicht in erster Linie an Journalisten. Auch Aussagen, bei diesem oder jenem Portal seien Tausende Journalisten als Abonnenten registriert, dürfen mit Blick auf die erhoffte Wirkung eines Pressetextes bezweifelt werden. Ich habe zumindest noch nicht erlebt, dass eine bei openPR, Presse-Anzeiger oder PR-Gateway eingestellte Pressemitteilung direkt zu einer Veröffentlichung in der Tagespresse oder Fachpresse geführt hätte.

Wie auch? Journalisten surfen ja nicht den ganzen Tag durch die Portale. Daher Regel Nummer 1: Presseportale ersetzen nicht den qualifizierten und gezielten Versand einer Pressemitteilung an Redaktionen, für die das Thema relevant ist. Sie ersetzen auch nicht den direkten, persönlichen Kontakt zu Journalisten und Redaktionen, ein für den Erfolg von Pressearbeit ohnehin wichtiges Kriterium.

So finden Suchmaschinen Ihre Pressemitteilung

Trotzdem kann auch die Pressemitteilung im Web den Journalisten erreichen. Dann nämlich, wenn Journalisten im Internet recherchieren und genau die Informationen finden, die zu ihrer Suchanfrage passen. Daher Regel Nummer 2: Im Text müssen die entscheidenden Keywords oft genug zu finden sein, damit die Suchmaschinen die Pressemitteilung finden. Aber Achtung: Ausreichende Keyword-Dichte heißt nicht wahllose Wiederholung des immer gleichen Begriffs. Im Gegenteil: Die Pressemitteilung muss bei aller Keyword-Dichte noch immer so formuliert sein, dass sie journalistischen Ansprüchen genügt. Das ist mitunter eine Herausforderung.

Regel Nummer 3 gilt für jede Art von Text: Die Headline muss ansprechen. Das Recherche-Ergebnis via Suchmaschine zeigt den Usern zunächst die Headline an. Und hier müssen die Leser – ob Journalisten oder andere User – direkt ihr Thema finden.

Wer zum Beispiel über fehlenden Wohnraum in Frankfurt am Main schreiben möchte und dazu eine Studie sucht, stolpert bei Eingabe der entsprechenden Schlagwörter bereits an zweiter Stelle des Google-Ergebnisses über die Pressemitteilung "Studie: In Frankfurt fehlen bald 90.000 Wohnungen" vom September des vergangenen Jahres.

Entscheidend sind Keywords, nach denen gesucht wird

Doch die Pressemitteilung im PR-Portal kann noch mehr. Sie kann – viel eher als dass sie zu einer Veröffentlichung in der Zeitung führt – direkt die Zielgruppe erreichen: Die Kunden oder Multiplikatoren, die Unternehmen mit Hilfe ihrer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ansprechen wollen. Hier gilt Regel Nummer 4: Entscheidend sind nicht die Begriffe und Keywords, die der Absender gerne hätte. Entscheiden sind die, nach denen gesucht wird. Und Regel Nummer 5 gleich dazu: Wenn die Botschaften und Maßnahmen in Pressearbeit, Online-PR, Marketing und alle weiteren Spielarten der Kommunikationsarbeit aufeinander abgestimmt sind, sind die Chancen auf Erfolg immer am größten.

Das Wichtigste zum Schluss: Eine Pressemitteilung hat immer denselben Anspruch: Sie soll über relevante Themen und Neuigkeiten informieren. Reine Werbung und die ultimative Lobhudelei haben in Pressemitteilungen nichts verloren – auch nicht im Web.

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

Kommentare

Vielen Dank für die Erwähnung von PR-Gateway. Ich möchte zu dem nützlichen Artikel von Herrn Kroker noch eine Statistik von Statista beisteuern: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/218685/umfrage/taeglich-durch-journalisten-genutzte-quellen-fuer-die-recherche/, bei der Journalisten zu den bei der Recherche genutzten Quellen befragt wurden. Aus der Umfrage geht hervor, dass 95 Prozent der befragten Journalisten Suchmaschinen und 64 Prozent Presseportale, zur Recherche nutzen. Ich finde Ihre Ausführungen sehr hilfreich, dass Relevanz und Suchmaschinenoptimierung für die Auffindbarkeit bei Google eine große Rolle spielen. Dies wird in der Praxis nämlich leider oft unterschätzt. Viele Grüße Monika Zehmisch von PR-Gateway


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Christian Drosten erhielt den Ehrenpreis des BdKom. Foto: Jana Legler
Foto: Jana Legler
Lesezeit 4 Min.
Meldung

BdKom zeichnet Christian Drosten aus

Der Bundesverband der Kommunikatoren würdigt die Aufklärungsarbeit des Virologen in der Corona-Pandemie. »weiterlesen
 
Erstmals zählen mehr Frauen als Männer zu den einflussreichsten Kommunikator:innen der Welt. (c) Getty Images/belchonock
Foto: Getty Images/belchonock
Lesezeit 1 Min.
Studie

Top-100-PR-Profis: Erstmals 54 Prozent Frauen

Außerdem schaffen es acht deutschsprachige Kommunikationsprofis auf die Liste der 100 wichtigsten Kommunikator:innen der Welt. »weiterlesen
 
Wechselt nach rund 20 Jahren in Führungspositionen bei Hering Schuppener auf die Position der Chairwoman: Tina Mentner. (c) Hering Schuppener
Foto: Hering Schuppener
Lesezeit 3 Min.
Meldung

Mentner wird Chairwoman, Bertram Managing Partner

Christoph Bertram folgt Tina Mentner in der Geschäftsleitung. Er ist seit 2010 bei Hering Schuppener und verantwortet seit 2018 den Berliner Standort der Firma. »weiterlesen
 
Onarans neues Buch erklärt, wie man sich positioniert und ein authentisches Thema findet. (c) Goldmann Verlag
Cover: Goldmann Verlag
Lesezeit 2 Min.
Rezension

Auftauchen statt Untergehen

In ihrem neuen Buch plädiert Tijen Onaran dafür, sich selbst zu reflektieren und sichtbar zu werden. Als Personal Brand könnten sich vor allem berufliche Vorteile ergeben. »weiterlesen
 
Firmensitz von BMW in München. (c) www.stadlerphoto.com, BMW Group
Foto: www.stadlerphoto.com, BMW Group
Lesezeit 5 Min.
Meldung

Genug von schlechter Presse

Die BMW Group baut ein Corporate Media House auf. Die Münchener wollen damit ihre Position stärker über ihre eigenen digitalen Kanäle vermitteln. »weiterlesen
 
Recherchieren ist wie Puzzeln – am Ende passt vieles zusammen. (c) Getty Images/Elizaveta Elesina
Foto: Getty Images/Elizaveta Elesina
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Am Anfang aller guten Texte steht die Recherche

Unser Kolumnist hält ein Loblied auf die Recherche. Denn ohne sie könne ein Text selten gut werden. »weiterlesen