Viele Firmen plagen in Corona-Zeiten Ängste. / Symbolbild Angst: (c) Getty Images/Victoria Gnatiuk
Viele Firmen plagen in Corona-Zeiten Ängste. / Symbolbild Angst: (c) Getty Images/Victoria Gnatiuk
Gutes Corona-Krisenmanagement

5 Dinge, vor denen Firmen in der Krise Angst haben

In Zeiten von Corona ist gutes Krisenmanagement gefragt. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch Unternehmer sind derzeit oft ratlos.
David Rölleke

In Zeiten von Corona ist fast jeder Betrieb in der Krise. Viele suchen Rat bei erfahrenen Krisenmanagern wie David Rölleke, Gesellschafter und Senior PR Manager der SBS Media. Der Bund bietet zwar ebenfalls telefonische Beratung an, doch diese ist für viele Unternehmer nicht zufriedenstellend und so enden sie bei Rölleke in der Leitung. Manche Unternehmer wenden sich mit immer neuen Fragen und Ängsten an ihn, doch viele kommen in fast jedem Gespräch vor. David Rölleke berichtet über die fünf größten Ängste der Unternehmen:


1. Belastungen für die eigenen Mitarbeiter

In den Nachrichten hören wir derzeit nur, was wir alles nicht mehr machen dürfen. Doch was dürfen wir noch machen? Diese Frage stellt sich auch für viele Unternehmer, die derzeit alle Existenzängste haben. Das schränkt die eigene Produktivität und Kreativität extrem ein. 

Doch auch Mitarbeiter üben starken Druck auf Unternehmer aus. Die Angst vor einer Insolvenz des Betriebes ist auch bei ihnen sehr groß. So kam es in vielen Firmen bereits zu Anfragen der Mitarbeiter, die Bilanzen und den Geschäftskontostand bekanntzugeben. Auf diese Weise wollen sie sich versichern, dass Existenzängste unbegründet und sie auf der sicheren Seite sind. Dies passiert insbesondere in kleinen Betrieben, bei denen der Chef eine enge Beziehung zu den Angestellten hat und daher oft die professionelle Distanz fehlt.

2. Ausstehende Forderungen während der Covid-19-Krise

Unternehmer fürchten sich auch davor, Forderungen nicht mehr eintreiben zu können. Große und kleine Firmen haben fast immer ausstehende Forderungen. Die Frage ist, ob das ausstehende Geld in Zeiten von Corona noch reinkommt. Es gab einen Aufruf des Bundes, derzeit auf Vollstreckungsmaßnahmen zu verzichten und Verständnis füreinander zu haben.

Ein klagender Anrufer hat erzählt, dass er eine Mahnung für einen Betrag von 13.500 Euro an einen Bauunternehmer geschickt und folgende E-Mail als Antwort bekommen hat: "Lieber Geschäftspartner, aufgrund der aktuellen Ereignisse haben wir unseren Betrieb vorerst bis zum 19.04.2020 geschlossen, wir bitten Sie um Verständnis.“

3. Wie kann Mitarbeitern mitgeteilt werden, dass Kurzarbeit oder Kündigungen bevorstehen?

Die Gesetze zum Thema Kurzarbeit sollen sich am 1. April zu Gunsten des Arbeitgebers ändern. Während einige Unternehmer bereits Kurzarbeit eingeleitet haben, wird es bei anderen noch diskutiert. Viele Unternehmer haben jedoch Angst vor der tatsächlichen Umsetzung und wissen nicht, wie sie mit ihren Mitarbeitern über das Thema Kurzarbeit oder gar Kündigung am besten reden. Immerhin sorgen sie sich auch um die Zukunft der Angestellten.

4. Kann der Corona-Kredit des Finanzamts helfen?

Laut Bund soll es für Unternehmer einen Kredit bei der NRW Bank geben. Bereits tausende Unternehmer haben deshalb bei der Bank angerufen und wollten direkt einen Kredit beantragen. Das Programm ist zwar bereits beschlossen worden, jedoch ist die Umsetzung noch nicht bis ins Detail geplant. Gerade kleinen Betrieben reichen ihre Reserven aber nur wenige Wochen. Dann stehen sie vor dem Bankrott. Besonders betroffen sind oft auch Familien-Unternehmen oder Unternehmer-Ehepaare, bei denen die ganze Familie von nur einem Betrieb abhängt. 

Die Umsetzung des Programms dauert daher für viele Unternehmer zu lange. Oft wird beklagt, dass der Bund in kürzester Zeit die Grenzen abschotten kann, aber die genauen Abläufe der Kredite brauchen eine halbe Ewigkeit. Viele Betriebe haben auch Angst, dass sie nicht direkt einen Termin bei der Bank bekommen, der Fonds für den Corona-Kredit am Ende begrenzt ist und nicht alle unterstützen kann. Manche Unternehmer haben daher nicht nur mit der Bank, sondern auch mit dem Steuerberater Kontakt aufgenommen. Dieser kann über sogenannte Härtefälle entscheiden und gegebenenfalls das Finanzamt informieren. Somit würde der betroffene Betrieb schneller und bevorzugt behandelt werden.

5. Wie geht es weiter?

Unternehmer fragen, ob die Kunden bleiben oder wieder zurückkommen werden. Sie fragen, wie es mit den geplanten Produkten für Sommer, Herbst und Winter weitergeht. Die Panik vor der Zukunft ist groß, und viele Unternehmer versuchen das Risiko bestmöglich abzuwägen. Doch das ist derzeit fast unmöglich. Dennoch gibt es bereits Betriebe, die mit dem Gedanken spielen, den Mietvertrag zu kündigen. Somit könnten sie wenigstens die Fixkosten reduzieren und einer eventuellen Insolvenz vorbeugen. 

Einige Unternehmer haben bereits geäußert, dass sie mit dem Gedanken spielen, das Unternehmen komplett aufzugeben, sollte die derzeitige Ausnahmesituation bis in den Mai hinein anhalten. Andere Unternehmer überlegen, bei einer langanhaltenden Krise, alle Mitarbeiter zu entlassen und sich selbst krankschreiben zu lassen, um sich dann vorübergehend von dem Krankengeld finanzieren zu können. 

Die Corona-Krise ist eine globale Herausforderung, die niemand alleine bewältigen kann. Die Frage ‚Wie geht es weiter?‘ ist derzeit einfach nicht zu beantworten, und jedes Unternehmen muss individuell nach den eigenen Begebenheiten entscheiden, welche Maßnahmen die richtigen sind. 

 

 
 


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