Auf den Spuren eines Regenwaldes in der Antarktis: das Forschungsschiff "Polarstern". (c) J.P. Klages, Alfred-Wegener-Institut
Auf den Spuren eines Regenwaldes in der Antarktis: das Forschungsschiff "Polarstern". (c) J.P. Klages, Alfred-Wegener-Institut
IDW-Preis der Wissenschaft

Wissenschafts-Pressemitteilungen ausgezeichnet

Sensationelle Forschungsergebnisse treffen auf professionelles PR-Handwerk: Das sind die besten Pressemitteilungen aus Wissenschaft und Forschung 2020.
Aus der Redaktion

Ein Regenwald am Südpol, der Weg des Coronavirus ins Gehirn und die Wiederentdeckung eines verschollenen Chamäleons – für Pressemitteilungen zu diesen Themen haben das Alfred-Wegener-Institut, die Berliner Charité und die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns den Preis für Wissenschaftskommunikation des Informationsdienstes Wissenschaft (IDW) erhalten.

Das Nachrichtenportal, über das nach eigenen Angaben jährlich rund 20.000 Pressemitteilungen aus mehr als 1.000 wissenschaftlichen Einrichtungen verbreitet werden, kürte in diesem Jahr zum zwölften Mal die besten Pressemitteilungen aus Wissenschaft und Forschung. Kriterien dabei sind nach eigenen Angaben eine hohe handwerkliche Professionalität (Qualität), ein überragender Nachrichtenwert (Relevanz) und die wissenschaftliche Bedeutung (Originalität). Zudem müssen die Pressemitteilungen über das IDW-Portal veröffentlicht sein. In diesem Jahr haben sich 85 Pressestellen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien beworben.

Nicht zu dick aufgetragen

Den mit 2.000 Euro dotierten ersten Platz belegte die Pressemitteilung „Sensationsfund: Spuren eines Regenwaldes in der Westantarktis“ der Stabsstelle Kommunikation und Medien des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (Bremerhaven). Sie ist punktgleich eine der beiden höchstbewerteten in der Kategorie „Handwerk“, die höchstbewertete in den Einzelkategorien „Nachrichtenwert“ und „wissenschaftliche Bedeutung“. Zur Begründung sagte die Jury, die Überschrift mache sofort neugierig, der Inhalt sei relevant, die Sprache verständlich, die Zusammenhänge seien gut erklärt. Zudem sei es eine Herausforderung, angesichts einer solchen Forschungssensation sowohl die gesicherten Ergebnisse als auch die noch zu erforschenden Unsicherheiten gewinnbringend aufzubereiten. „Das ist hier außerordentlich gut gelungen, ohne dick aufzutragen, zu spekulieren oder auszuweichen“, erklärte Jurymitglied und „Zeit“-Wissenschaftsredakteurin Katharina Menne.

Den mit 1.000 Euro dotierten zweiten Platz erhielt die Unternehmenskommunikation der Charité – Universitätsmedizin Berlin für ihre Pressemitteilung „Wie Sars-CoV-2 in das Gehirn gelangt“. Die Pressemitteilung gebe tiefe Einblicke in die Realität der Forschenden, ihre Fragen, Methoden und Ergebnisse. Zudem sei sie sprachlich sauber und gehe bereits auf zahlreiche Aspekte für eine weiterführende Recherche ein.

Die Pressemitteilung „Kurzlebig und ganz schön bunt: Verschollenes Chamäleon nach mehr als 100 Jahren wiederentdeckt“ der Wissenschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (München) belegte den mit 500 Euro dotierten dritten Platz. Die Meldung, mit der Siegerin der Gesamtwertung eine der beiden höchstbewerteten in der Kategorie „Handwerk“, überzeugte eben vor allem aufgrund der handwerklichen Umsetzung: eindeutige und verständliche Formulierungen, eine klare Struktur und Kürze zeichnen die Mitteilung nach Ansicht der Jury aus.

 

 
 


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