199,20 € für eine Presseantwort. Skandal oder Schnäppchen? Unsere sprechersitze (c) Getty Images/iStockphoto/patpitchaya
199,20 € für eine Presseantwort. Skandal oder Schnäppchen? Unsere sprechersitze (c) Getty Images/iStockphoto/patpitchaya
Bunte PR-Welt

199,20 € für eine Presseantwort. Skandal oder Schnäppchen?

Willkommen im PR-Wunderland 4.0 - wo die Beantwortung einer Presseanfrage 199,20 Euro kostet. Wenn die Öffentlichkeitsarbeit zum Profit Centre wird - unsere "sprecherspitze"
Hilkka Zebothsen

Was kostet der Service einer Pressestelle? Schätzen Sie mal: Wie viel ist es wert, wenn ein Kommunikationsprofi die Anfrage eines Mediums bearbeitet, inklusive Arbeitszeit, Recherchen, „Schreibkosten“? Zehn Euro? Fünzig? Hundert? Die Marseille Kliniken haben die Antwort: 199,20 Euro. So viel wollte der Betreiber von Pflegeheimen und Altenwohnanlagen (und nicht etwa von Krankenhäusern) dem „Spiegel“ für die Beantwortung der Frage berechnen, ob sie die Kaution für Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff zahlte. Statt einer Antwort kam ein „Kostenangebot“ in Höhe von 199, 20 Euro für die Bearbeitung der Presseanfrage. Laut „Tagesblatt“ müssten die Marseille-Kostenstellen „entsprechend ihres Aufwandes fakturieren“, so auch die Kommunikationsabteilung. Der Reporter lehnte erwartungsgemäß dankend ab aber schrieb darüber. Der anschließende Shit Storm gegen das Gesundheitsunternehmen, bei dem natürlich der „Mensch im Mittelpunkt“ steht, bewegte vor Tagen die Branche.

Die ÖA als Profit Centre: Dass Kommunikation messbar ist, bleibt unbenommen. Dass Informationen die neue Währung sind, auch. So wird die Vermittlung eines Interviews mit dem Geschäftsführer zum Tagesangebot, inklusive wählbarer Extras wie der Vorab-Klärung des Fragenkatalogs, dem Briefing aller beteiligten Gesprächspartner, der Begleitung des Interviews durch die Pressestelle, die Erstellung, Bearbeitung und Zurverfügungstellung der Fotos, des Freigabeprozesses mit Optimierung von Fragen und Antworten. Und das alles innerhalb einer festgelegten Zeit – wobei die Dauer zwischen Anfrage und Freigabe durch die Pressestelle mit Hilfe gestaffelter Aufpreise zum Teil erheblich gesenkt werden könnte.

Das brächte interessante Zusatzerlöse für Unternehmen, indem sie künftig Basis-, Komfort- und VIP-Pakete für Reporter anböten. Endlich gibt es verlässliche KPI, ob sich der Sprecher rechnet, oder man doch lieber eine Agentur mit der PÖ beauftragt. Noch besser: Anrufe von Medienvertretern werden von Pressesprechern nicht mehr direkt entgegen genommen. Wer trotzdem eine Interviewanfrage („bitte schriftlich einreichen!“) hat, wird online automatisch zu einem Web-Shop weiter geleitet. Die Rechnung wird automatisch erstellt und zur Sicherheit erstellt das CRM erst dann ein Bearbeitungs-Ticket an den Kommunikator, wenn der Reporter bezahlt hat.

Schöne neue UK-Welt? Willkommen im Wunderland 2.0 in einer nicht allzu fernen Zukunft. Dr. House, übernehmen Sie.

 
 

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