Macht

(c) Grafik Mona Karimi

Ausgabe: 4/2016

Macht macht ... ja, was eigentlich?

Sexy. Das war lange das letzte Wort im obigen Satz. Doch wer ihn heute googelt, bekommt zunächst andere Angebote, nämlich mobil. Und süchtig. Macht macht mobil. Hä? Ach so – das ist Werbung für eine Berliner Autowerkstatt der gleichnamigen Familie. Im übertragenen Sinne macht Macht aber tatsächlich mobil: nämlich im Kopf. Wie bekomme ich sie? Wie behalte ich sie? Und kann und will ich sie überhaupt? Diese Fragen stellt sich jeder ab einer gewissen Führungsposition (gefälligst) automatisch und muss sich zur Antwort dann irgendwie verhalten. Das ist wie mit der Freiheit: Die müssen wir auch erst (er)tragen lernen.
Macht macht süchtig? Dass das Bestimmen von Inhalten und Formen von Berichterstattung nicht nur Geld bringt und Spaß macht, sondern anfassbare Ergebnisse schaffen kann, führt gern mal zu Hybris-Anfällen auf beiden Seiten – Kommunikatoren und Medienmenschen nehmen sich da nichts. Doch je nach Typ und Seelenlage konnotieren wir Macht mit Einfluss, Führung, Manipulation, gern versehen mit einer Prise negativem Touch, schließlich sind wir Deutsche. Dabei geht es in Wahrheit doch „nur“ um die Fähigkeit zum Einwirken auf andere. Und was anderes bitte ist Ihr täglicher Job?
Kommunikatoren sind ja per se meistens Menschen, die andere Menschen mögen, schließlich ist Sichtbarkeit die Essenz ihres täglichen Tuns. Doch die Sucht nach der Macht schafft genau das Gegenteil: Sie macht ohnmächtig. Kein Zufall, dass der Jedi-Abschiedsgruß „Möge die Macht mit Dir sein“ längst zu unserem Sprachgebrauch gehört. Impliziert er doch auch die Last, die Macht verleiht und aufbürdet, verantwortungsvoll mit ihr umzugehen, sowohl im Bezug auf Kollegen, Partner und Zielgruppen als aber auch im Verhältnis zu unserem eigenen Inneren
Macht Macht also doch immernoch sexy? Oder sind Menschen, die wir als „machtvoll“ erleben, nicht einfach nur besonders charismatische Persönlichkeiten und erlangten Einfluss, Kraft und Gewicht quasi als Beigabe zu einem beruflichen Werdegang, der ihnen eh vorgezeichnet war?
Gerne wollten wir ein Porträt über einen Politiksprecher machen. Der typische Reflex auf entsprechende Anfragen war jedoch ein charmantes „Nein, danke“, sahen die Angefragten sich doch selbst ganz wohlerzogen gar nicht als mächtig an, selbst, wenn deren Chef oder Chefin maßgeblich das Land mitregiert. Doch ist nicht selbst der unsichtbare Sprecher allein schon dadurch wirkmächtig, dass er über Zugang, Agenda-Setting und Ausgestaltung der Berichterstattung bestimmt?
Nach dem Prinzip von „Zuckerbrot und Peitsche“ haben wir auch unsere neue Kolumne benannt: Hier schildern Medienmacher künftig ihre skurrilsten Begegnungen mit Kommunikatoren. Den Auftakt macht Stefan Dörner, der frischgebackene Chefredakteur von t3n: Als bei einer seiner Recherchen der Sprecher verstummte und lieber gleich den Anwalt reden ließ, rollten am Ende Köpfe. Dörners war nicht darunter.
Beim Balanceakt zwischen Macht und Ohnmacht wünschen wir uns ein Kennenlernen oder Wiedersehen beim Kommunikationskongress im September in Berlin – und Ihnen einen zauberhaften Sommer sowie jede Menge Inspiration bei der pressesprecher-Lektüre im Strandkorb, auf Almen oder dem heimischen Balkon._

Ihre Hilkka Zebothsen
Chefredakteurin

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