KRISE

Ausgabe 6/2019: Krise (c) Rebecca Metz/Quadriga Media Berlin

Ausgabe: 6/2019

Vision statt Krise

„Krise“ – so lautet der Titel dieser Ausgabe des „pressesprecher“. In Fachbüchern und Expertenbeiträgen mangelt es nicht an Ratschlägen zur Krisenkommunikation. Die klingen in etwa so: Die Salamitaktik hat ausgedient. Krisenkommunikation ist Chefsache. Alle Fakten gehören auf den Tisch. Transparenz und Schnelligkeit sind entscheidend. Ein Unternehmen muss mit einer Stimme sprechen. Wer würde dem widersprechen?
 
Eine Reihe namhafter Unternehmen in Deutschland kriselt: die Automobilindustrie, die Banken und die Energiekonzerne an der Spitze. Diese Branchen stehen in der Kritik, weil ihr Geschäftsmodell in Frage gestellt wird. Es handelt sich nicht um Kommunikationskrisen. Es sind Unternehmenskrisen, die sich mit Kommunikation nicht aus der Welt schaffen lassen. Für Kommunikationsabteilungen ist dieser Zustand unangenehm. Sie müssen fast ausschließlich verteidigen. Es gibt kaum noch Möglichkeiten, mit positiven Botschaften durchzudringen. 
 
Genau diese wären notwendig. Angesichts der latent depressiven Stimmung in Deutschland wären von Unternehmen Visionen gefordert. Wie lässt sich der Wunsch weiter Teile der Öffentlichkeit nach mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz mit Innovationen verbinden? Welchen Beitrag kann ein Unternehmen dabei leisten? Hier wären Antworten gefragt.
 
Im Interview ab Seite 8 erläutert Bayer-Kommunikationschef Michael Preuss, wie die Monsanto-Übernahme die Kommunikation beeinflusst und warum bei der aktuellen Kampagne die Mitarbeiter im Vordergrund stehen. RWE ist ein weiteres Unternehmen, das aufgrund von Kohle und Atomenergie in der Kritik steht. In der Öffentlichkeitsarbeit betont der Energiekonzern jetzt überwiegend seine Ökostrom-Aktivitäten (Seite 46).
 
Einige Unternehmen verstehen offenbar nicht, dass nicht jeder kritische Kommentar gleich ein Shitstorm und schon gar keine Krise ist. Ein aktuelles Beispiel ist die ängstliche Löschung eines Homöopathie-Witzes von Dr. Oetker. Ein Gastbeitrag auf Seite 36 widmet sich solchen mehr oder weniger relevanten Shitstorms. Diverse Kommunikationskrisen ausgelöst hat der Reporter Günter Wallraff, der in dieser Ausgabe genauso Thema ist wie die 24/7-Kommunikation. 
 
Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr. Bis Februar! 
 
Volker Thoms
Chefredakteur
 

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