Fehler

Cover Ausgabe 6/14: Fehler

Ausgabe: 6/2014

Fheler machen

In meinem früheren Leben war ich zweite Pressesprecherin eines großen Klinikträgers. Größter Arbeitgeber weit und breit, sensible Branche, heikler Fall, Chef im Urlaub. Als ein krimineller Patient aus einem unserer Häuser verschwand, war der Aufschrei zu recht groß. Die Telefone liefen heiß, die interne Maschinerie zur Abarbeitung „Besonderer Vorkommnisse“ funktionierte.

Irgendwann bekam ich die Info aus der Klinik „er ist wieder da.“ Freudig gab ich die Info weiter an einen Reporter, der kurz vor Redaktionsschluss noch anrief. Blöd nur, dass sein Chef wenig später den Polizeisprecher bei einem Event traf – und der die Rückkehr dementierte. Er hatte Recht: Der entflohene Patient war nicht zurück in der Klinik sondern lediglich auf dem Weg dorthin gewesen – und erneut verschwunden.    Die Folge: Der Reporter rief mich nie wieder an, recherchierte fortan seine Geschichten in unserem Unternehmen an mir vorbei. Meine Lektion: Wie auch als Journalistin checkte ich auch als Sprecherin seitdem jede Info zweimal. Mindestens.

Anders als in Amerika gelten Managementfehler in Deutschland als schlimm. Mit Größe scheitern können die Amerikaner besser, dort sind Fehler Teil einer Karriere. In Japan dagegen sind Fehler eine Schande. Aber tränenreiche Entschuldigungen von laufender Kamera sind bei asiatischen Topmanagern keine Seltenheit – und werden gesellschaftlich erwartet.

„Fehler machen, aber richtig“ - wie geht das? Wann haben Sie zuletzt einen beruflichen Kommunikationsfehler begangen? Warum? Und vor allem: Was haben Sie daraus gelernt? Wir waren auf Spurensuche im Reich der Fehler. Wulffs Nachricht auf der Chefredakteurs-Mailbox, Top-Manager, die hilflos „kein Kommentar“ stammeln oder Verleger, die ihrer Führungskraft morgens noch den Rücken stärken, um ihn wenige Stunden später zu feuern – hinter all diesen Geschichten steckt ein System. Das zu ergründen, wollen wir helfen.

Und haben im Rahmen der Recherche wie immer dazu gelernt: So haben wir gleich mal die Prozesse in der Redaktion geändert: Dank einer neuen wöchentlichen Teamrunde gibt es mehr Transparenz. Und wegen anderer Abläufe sparen wir pro Ausgabe eine komplette Korrekturschleife. Wir danken insbesondere den Gesprächspartnern, die ihre Fehler mit uns geteilt haben. Und wünschen Ihnen jede Menge Inspiration beim Lesen.

Ihre Hilkka Zebothsen

Leitende Redakteurin

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