EHRLICHKEIT

Ausgabe 3/2017: Ehrlichkeit (c) Quadriga Media Berlin GmbH

Ausgabe: 3/2017

Hand aufs Herz

Jetzt mal ganz ehrlich: Manchmal ist es ziemlich schwierig, die Wahrheit zu sagen. Denn – Hand aufs Herz – so eine kleine Mogelei geht schnell über die Lippen und macht vieles einfacher. Denn absolute Ehrlichkeit würde uns doch offen gestanden in den Wahnsinn treiben.

Drei Sätze, drei Pseudo-Aufrichtigkeitsfloskeln. Und? Haben Sie uns dadurch mehr Glauben geschenkt? Sicherlich nicht, denn Floskeln ruinieren Klarheit. Und die brauchen wir, wenn wir Menschen erreichen wollen. Dabei kann man nicht immer ehrlich sein, das widerspräche unserer Natur. Philosophen zerbrechen sich seit jeher den Kopf darüber, was Wahrheit ist und wann sich eine Lüge moralisch rechtfertigen lässt.

Die Lüge ist jedoch besser als ihr Ruf. Sie macht Wahrhaftigkeit überhaupt erst möglich. Und das Streben nach Wahrhaftigkeit, einem Ideal, das wir nie erreichen werden, aber das uns Orientierung bietet, sollte das Motiv von Kommunikation sein – auch von Kommunikation im Auftrag Dritter. In unserem Titelessay fragen wir: Wie ehrlich können PR-Schaffende überhaupt sein? Uns interessierte außerdem, wie Google, die dpa und die Wissenschaft auf das Phänomen Fake News reagieren. Vor Ort im dpa-Newsroom bekamen wir spannende Einblicke.

Wir wollten weiterhin wissen: Scheuen Journalisten positive Geschichten über Unternehmen? Kann Storytelling ehrlich und märchenhaft zugleich sein? In einer Mini-Umfrage haben wir Journalisten und Kommunikatoren gebeten, von ihren seltsamsten Autorisierungserlebnissen zu erzählen. Viel zu oft bekommen auch wir völlig zerpflückte Interviews zurück. Der Word-Korrekturmodus mit seinen tiefroten Schrecken inspirierte uns zum aktuellen Cover.

Die bevorstehende Bundestagswahl haben wir zum Anlass genommen, einen Blick auf die Rhetorik der Parteien zu werfen. Und Frauke Köhler, Pressesprecherin des Generalbundesanwalts, hat mit uns über die Erfordernisse ihres schwierigen Jobs gesprochen.

Nun wünschen wir Ihnen, liebe Kommunikatoren, einen schönen Sommer. Wenn Sie unser Magazin zu mehr Offenheit inspiriert, lassen Sie uns daran teilhaben: Wir freuen uns auf Ihr ungeschöntes Feedback. Wirklich!

Ihre Jeanne Wellnitz und Anne Hünninghaus

Artikel aus dem Magazin EHRLICHKEIT

Journalisten lieben das Telefon, viele Pressestellen leider nicht. (c) Thinkstock/alexlmx2016
Foto: Thinkstock/alexlmx2016
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In der Kolumne "Zuckerbrot und Peitsche" berichten Medienmacher hautnah von ihren Erfahrungen mit Kommunikatoren. Sie loben und lästern. Dieses Mal: Markus Decker von der Dumont-Hauptstadtredaktion über eine weit verbreitete Unsitte von Pressestellen. »weiterlesen
 
Neurolinguistin Elisabeth Wehling hat Zitate von Spitzenpolitikern analysiert. (c) Marco Urban, Rolf Poss, Harry Weber, Thomas Kläber, www.blu-news.org/CC BY-SA 2.0, Susie Knoll, Benjamin Zibner, Laurence Chaperon, Inga Haar, Alica Weidel
Fotos: Marco Urban, Rolf Poss, Harry Weber, Thomas Kläber, www.blu-news.org/CC BY-SA 2.0, Susie Knoll, Benjamin Zibner, Laurence Chaperon, Inga Haar, Alica Weidel
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Sprache ist Politik

Welcher Partei gelingt es im Wahlkampf am besten, mit Hilfe von politischem Framing intensive und greifbare Bilder in den Köpfen der Wähler hervorzurufen? Neurolinguistin Elisabeth Wehling hat Zitate der Spitzenpolitiker analysiert. »weiterlesen
 
Ohne Medienkompetenz der Nutzer werde es künftig nicht gehen, sagt Google-Pressesprecher Ralf Bremer im Interview. (c) Frank von Wieding
Foto: Frank von Wieding
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"Es gibt kein Patentrezept"

Mit menschlicher Unterstützung soll der Google-Algorithmus fit gemacht werden, gefälschte Inhalte zuverlässig zu erkennen. Wie das funktionieren soll, erklärt Google-Pressesprecher Ralf Bremer im Interview. »weiterlesen
 
Lassen investigative Journalisten ihre Story fallen, wenn sie von den Rechercheergebnissen nicht getragen wird? (c) Thinkstock/Sergey Nivens
Foto: Thinkstock/Sergey Nivens
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Lesestoff

Die Story im Kopf

Viele Unternehmen fühlen sich zu Unrecht von den Medien kritisiert. Sie finden: Zur Ehrlichkeit gehöre, auch das Positive darzustellen. Lassen investigative Magazine wie "Frontal 21" ihre These fallen, wenn sie von den Rechercheergebnissen nicht getragen wird? »weiterlesen
 
Im Kampf gegen Fake News spielen Wissenschaft und Forschung eine wichtige Rolle - wenn man sie denn lässt. (c) privat
Foto: privat
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Kommentar

Marsch für die Wahrheit

Vorwürfe von Fake News betreffen in empfindlichem Maße auch die Wissenschaft. Manche Argumentation ist jedoch unlauter. Ein Kommentar. »weiterlesen
 
"Milch" kommt künftig nur noch von der Kuh und anderen Tieren, entschied der Europäische Gerichtshof. Pflanzliche Produkte dürfen die Bezeichnung nicht mehr tragen. (c) Thinkstock/Astrid860
Foto: Thinkstock/Astrid860
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Glosse

Marketing unterm Veggie-Dach

Vor Kurzem entschied der Europäische Gerichtshof, dass Tofubutter nicht mehr Tofubutter und Sojamilch nicht mehr Sojamilch heißen dürfen. Was nun? Unsere sprecherspitze zu Vegan-Food-Marketing in Post-Schwindel-Zeiten. »weiterlesen
 
Verification Officer Stefan Voß (l.) und Nachrichtenchef Froben Homburger (r.) wollen mit einer neuen Verifikationseinheit den Faktencheck bei der dpa stärken. (c) Laurin Schmid
Foto: Laurin Schmid
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Reportage

Traue ­niemandem!

Medien verlassen sich darauf, dpa-Meldungen übernehmen zu können, ohne sie zu überprüfen. Die Nachrichtenagentur sorgt für einen verlässlichen Faktencheck. Die Sozialen Medien, gehackte Twitter-Accounts und gefälschte Meldungen machen den hektischen Agenturalltag jedoch immer atemloser. Nachrichtenchef Froben Homburger und Verification Officer Stefan Voß wollen mit einer neuen Verifikationseinheit den Faktencheck stärken. Ein Redaktionsbesuch. »weiterlesen
 
Wohlfühlgeschichten werden gerne im Netz geteilt, zerstören aber auf Dauer die Glaubwürdigkeit von Medien und PR. (c) Thinkstock/NatalyaAksenova
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Zu schön, um wahr zu sein

Das Netz ist voll von Geschichten. Doch nicht alle sind wahr. Während die Debatte um Fake News und Lügenpropaganda tobt, machen sich Wohlfühlgeschichten breit, die eher unbemerkt die Glaubwürdigkeit von Medien und PR verspielen. »weiterlesen
 
Als Staatsanwältin versteht sie, wovon sie spricht: Frauke Köhler informiert über den Ermittlungsstand in schwerwiegenden Staatsschutz-Strafsachen. Foto: Laurin Schmid
Foto: Laurin Schmid
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"Ich informiere, ohne Ermittlungen zu gefährden"

Sieht man sie vor die Kamera treten, weiß man, etwas ­Schlimmes ist passiert: Frauke Köhler, Sprecherin des General­bundesanwalts, kommuniziert den Ermittlungsstand in allen ­schwerwiegenden Staatsschutz-Strafsachen. Wie kann man in Gefährdungslagen aufklären, ohne zu ­alarmieren? »weiterlesen
 
Muss das Verhältnis zwischen Journalismus und PR neu justiert werden? (c) Thinkstock/JJPan
Foto: Thinkstock/JJPan
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Verschlossene Türen und andere Gängeleien

In der Beziehung zwischen Journalisten und Kommunikatoren gibt es Spannungen, die sich mitunter in Gängeleien der Medienvertreter widerspiegeln. Erreicht das durch die geschwächte Position des Journalismus eine neue Stufe? Oder ist das nur eine kleine Krise im Verhältnis von Presse und PR? »weiterlesen