CORONAKRISE

Ausgabe 2/2020: Corona-Krise (c) Marie Geissler/Quadriga Media Berlin

Ausgabe: 2/2020

Corona

Als Mitte März die Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen aufgrund der steigenden Zahl von Corona-Infektionen in Kraft traten und Kitas und Schulen schlossen, wirkte es, als ob sich einige mediale Mechanismen kurzfristig verändert hätten. Geprägt von den grausamen Bildern vor allem aus Italien und der Angst, dass die Corona-Pandemie ähnlich schlimm in Deutschland verlaufen würde, schien sogar die Hassmaschinerie in den Sozialen Netzwerken eine Pause eingelegt zu haben. Medien, die sonst gerne zuspitzen und gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausspielen, wirkten plötzlich sachlich.

Diese Phase scheint jetzt abgeschlossen, vermutlich weil Bilder wie aus anderen Ländern bisher ausblieben. Alles ist wie vorher. Über die Politik wird abgekotzt. Mal weil sie Maßnahmen nicht lockern will, zu denen medizinische Experten raten. Mal weil sie genau diese Lockerungen plant. Die Polarisierung zwischen wirtschaftsfreundlich-konservativ und links-grün ist auch wieder im Gange. Auf Wissenschaftler wird verbal eingeprügelt, weil sie sich mal geirrt haben. Gegen Berufsgruppen wird gewettert. Schön zu sehen in Berlin, als die Auszahlung einer Soforthilfe an Kleinunternehmen stockte. Dass sich dafür Mitarbeiter von Behörden in ihren engen Büros an alte Rechner setzen mussten und sich in Ansteckungsgefahr begaben, kam nur wenigen in den Sinn.

Natürlich soll diskutiert und hinterfragt werden. Die Einschränkung von Grundrechten erst recht. Die Empathielosigkeit ist trotzdem erstaunlich.

Es gibt auch Positives. Hier seien Unternehmen erwähnt, die kostenfrei Medikamente zur Verfügung stellen, über ihre Kanäle im Ausland Masken besorgen oder Desinfektionsmittel produzieren. Wieder andere gewähren Sonderurlaub oder eine längere Elternzeit. Wenn nach Corona bleibt, dass Storydoing Haltung als PR-Masche ablöst, wäre das begrüßenswert. Kunden, Arbeitnehmer und Bewerber sollten sich jedenfalls genau anschauen, welche Unternehmen einen Beitrag zur Bewältigung dieser Krise leisten und welche nicht.

Dieser „pressesprecher“ entstand hauptsächlich im Homeoffice. Einige vorgesehene Artikel mussten wir canceln. Anzeigen fielen weg. Die Coronakrise dominiert diese Ausgabe. An dem ursprünglichen Schwerpunkt „Politische Kommunikation“ haben wir festgehalten. Das Bedürfnis, sich über etwas anderes als über das Virus zu informieren und zur Normalität zurückzukehren, scheint wieder stärker zu werden. Die geplante Umbenennung des „pressesprecher“ müssen wir leider verschieben. Wir halten es aktuell für wichtiger, unsere volle Aufmerksamkeit auf die Inhalte zu richten. 

Viel Spaß beim Lesen!

Volker Thoms
Chefredakteur

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