CORONA UND DIE ZUKUNFT

Ausgabe 3/2020: Corona und die Zukunft (c) Jordan Wozniak / unsplash.com

Ausgabe: 3/2020

Fakten

Die Coronakrise zeigt mal wieder, dass der Umgang mit Fakten weltweit ausbaufähig ist.

Es beginnt mit der Grunderkenntnis, dass die Erkrankung Covid-19 insbesondere für bestimmte Risikogruppen tödlich enden kann. In den Sozialen Netzwerken toben sich Hobby-Virologen aus, die zur Gefährlichkeit von Corona eine dezidierte Meinung haben. Sie spielen das Risiko herunter. Alles sei halb so schlimm. Über den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umgang mit dem Virus muss diskutiert werden. Keine Frage. Aber den Fakt „Gefährlichkeit“ sollte man zur Kenntnis nehmen. Hier sind sich selbst die TV-Virologen mal einig. 

Ein Resultat dieser Krise muss sein, der Wissenschaft mehr Beachtung zu schenken. Das beginnt bereits in der Schule. Wer faktenbasiert argumentieren will, muss wissenschaftliche Prozesse verstehen. Wenn sich Erkenntnisse verfestigen und sie auf hochwertigen Studien basieren, wird man als Laie immer wieder in die Situation geraten, der Wissenschaft vertrauen zu müssen. Das heißt nicht, dass man Professoren oder sonstigen Experten blind folgen sollte. In der Medizin gibt es nicht umsonst eine Zweit- und Drittmeinung. Fakten von Meinung unterscheiden zu können, ist die Basis von vielem.

Wissenschaftliche Erkenntnisse gilt es unideologisch zu betrachten und dabei nicht ständig eine konservative, grüne oder linke Brille aufzuhaben. Leider gehört es für Journalisten von Leitmedien offenbar zum Jobprofil, die vom Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen beschriebenen Empörungsmechanismen inflationär einzusetzen. Beifall bei denen abzugreifen, die einem politisch nahestehen, und Empörung bei Andersdenkenden zu verursachen. Zuletzt lieferte die „taz“ ein Paradebeispiel mit einer verunglückten Kolumne über die Polizei. Ulf Poschardt, Jan Fleischhauer, Gabor Steingart und Nikolaus Blome sind weitere Beispiele. Ihr Mittel: Meinung. Dazu ordentlich Clickbaiting. Das sachliche Vermitteln von Informationen ist zweitrangig. Neutralität sowieso. Glaubwürdiger werden die Genannten und ihre Medien mit dieser Strategie nicht.

Um Wissenschaft geht es in dieser Ausgabe an mehreren Stellen. Auf Seite 12 finden Sie ein Interview mit der Pressesprecherin des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung. Die Kommunikation der Leopoldina beschreiben wir auf Seite 18. Außerdem widmen wir uns der Kommunikation der Pharmaindustrie, dem US-Wahlkampf sowie Europas Zukunft in Form eines Gesprächs mit dem ehemaligen Außenminister Joschka Fischer. Details zum Kommunikationskongress, der am 17. und 18. September stattfinden wird, erfahren Sie auf Seite 58.

Viel Spaß beim Lesen!

Volker Thoms

Chefredakteur "pressesprecher"

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