Nur 26 Prozent der Deutschen hören Podcasts./Podcast: (c) Getty Images/RenysView
Nur 26 Prozent der Deutschen hören Podcasts./Podcast: (c) Getty Images/RenysView
Nur 26 Prozent sind Hörer

Podcast-Hype geht an den meisten Deutschen vorbei

Laut Bitkom-Studie sind Podcasts ein Nischenmedium. Nur ein Viertel der Deutschen hört sie regelmäßig, die meisten bevorzugen kurze Folgen.
Toni Spangenberg

Podcast-Boom in Deutschland? Glaubt man den Nutzungszahlen, die Bitkom in einer repräsentativen Studie ermittelte, sind Podcasts hierzulande längst kein Massenmedium. 26 Prozent der mehr als 1.000 Befragten ab 16 Jahren sind regelmäßige Hörer, mehr als ein Drittel von ihnen zwischen 16 und 29 Jahre alt. 2018 lag der Wert noch bei 22 Prozent. Die meisten Deutschen hören nie Podcasts – 70 Prozent der Befragten.  

Die Ergebnisse decken sich mit einer repräsentativen Untersuchung von AS&S Radio und Facit Research von 2018. Die Forscher befragten damals rund 3.000 Personen online. Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) wussten, was ein Podcast ist. Nach einer detaillierten Erklärung outeten sich 29 Prozent als Hörer. Am beliebtesten seien zu je ein Drittel die Themen TV/Film/Fernsehen, Nachrichten und Politik sowie Comedy.

Hörer bezweifeln Studienergebnisse

Eine Erkenntnis, über die sich Podcast-Fans in den sozialen Medien ärgern, ist die Nutzungsdauer. So gibt Bitkom an, dass 49 Prozent aller Hörer kurze Shows favorisieren. Ideal seien fünf bis zehn Minuten. Lediglich sieben Prozent bevorzugten eine Dauer von mehr als 60 Minuten. 62 Prozent hören einen Podcast in der Regel nicht bis zum Schluss. Die ARD-ZDF-Medienakademie teilte die Ergebnisse der Studie auf Twitter. Podcast-Anhänger nahmen den Post zum Anlass, die Repräsentativität der Untersuchung in Frage zu stellen. Bei Zehn-Minuten-Shows könne von Podcasts keine Rede sein und schließen von ihrem Medienkonsum auf den der Allgemeinheit. Die Twitter-User bezweifeln, dass die Befragten überhaupt wüssten, was ein Podcast sei. Auch die Methodik der Telefonumfrage wird in Zweifel gezogen. 

Tatsächlich kennt die Definition eines Podcasts keine Längenangabe. Laut Duden bezeichnet der Begriff lediglich eine Audio-Datei, die im Internet zum Downloaden angeboten wird. Eine andere, vom Gabler Wirtschaftslexikon formulierte, Definition spricht von "Audio- und Videobeiträgen, die über das Internet zu beziehen sind." Ein Merkmal sei, dass sie "unter Nutzung aktueller Technologien vergleichsweise einfach zu produzieren" seien. Die Dauer des Beitrags ist hingegen kein Kriterium.

Die ARD-ZDF-Medienakademie versucht die Gemüter auf Twitter zu beruhigen und bringt einen anderen Gedanken ins Spiel: "Eventuell gibt’s nicht nur leidenschaftliche Langformathörer, sondern auch Newshörer: Tagesschau-Podcast, Presseschau Deutschlandfunk, „Was jetzt“ von Zeit Online,  Handelsblatt Morning Briefing etc."

Bei der durchschnittlichen Hördauer dürfte auch das präferierte Nutzungsgerät eine Rolle spielen. Laut der AS&S-Radio- und Facit-Research-Erhebung hören 73 Prozent der Nutzer Podcasts auf dem Smartphone. Günstigere Datentarife und bessere Netze ermöglichten eine schnellen Zugriff von unterwegs. 

Trotz der geringen Nutzung rät Expertin Andrea Montua insbesondere Unternehmen, in der internen Kommunikation auf Podcasts zu setzen.

 

 
 

Kommentare

26 Prozent? Als Podcast-Produzent und -Hörer finde ich das erfreulich viel. Wie viele hören denn regelmäßig Programm-Radio oder gar Programm-TV? Der Trend geht zum zeitsouveränen Konsum, egal ob bei Audio oder Audiovisuell.


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