Milliarden Euro betrug der Gesamtwert der Transaktionen der vier Fusionen und Übernahmen mit Beteiligung deutscher Unternehmen, bei denen die Agentur Hering Schuppener beratend tätig war. Die Zahl bezieht sich auf die ersten drei Monate des laufenden Jahres. Damit liegt Hering Schuppener laut mergermarket M&A-Ranking erneut auf Platz eins im deutschen Markt.
Lieber hölzern als glattgebügelt
Ausgabe: 7 / 2011 - Image
Und dennoch gilt gerade Hannover als das Paradebeispiel urbanisierter Langeweile. Dabei kämpft die Stadt nicht einmal mit einer hohen Kriminalitätsrate, hoher Arbeitslosigkeit oder einem völlig runtergekommenen Stadtbild – im Gegenteil: Ein Großteil der Innenstadt wurde inzwischen aufwendig saniert. Es ist der Ruf der Mittelmäßigkeit und des Spießertums, das der Stadt sein schlechtes Image gibt. Expo, Cebit, Lena Meyer-Landrut, nicht einmal die Chaostage vermochten es, Hannover den Hauch von Metropole oder wenigstens ein verruchtes Image zu verpassen. Dass Niedersachsens Landeshauptstadt ein Problem mit ihrem Ruf hat, haben auch Politiker aus Hannover und dem Umland erkannt und sich zu einer gemeinsamen Initiative zusammengefunden. Das Ziel: Die Stadt Hannover soll ihr blasses Image aufpolieren und künftig mehr Investoren und Familien in die Region locken. Hannover müsse sich als Gegenmodell zu Metropolen wie Hamburg und Berlin positionieren, die positiven Eigenschaften von Stadt und Region sowie die Lebensqualität hervorheben. Drei Jahre berieten Experten, Politiker und Marketingfachleute, entsprechend hoch waren die Erwartungen an das neue Konzept. Das vorläufige Ergebnis, das die Verantwortlichen aber Anfang Oktober vorstellten, schien das dröge Bild von Hannover eher zu bestätigen, als dass es dies widerlegt. Ein einheitliches Logo für Stadt und Region solle künftig Arbeitsplätze und einkommensstarke Familien in die Gegend ziehen. Ein überlappendes rotes und blaues Quadrat neben einem angeschnittenen Hannover- Schriftzug sollen künftig Plakate, Briefköpfe und Anstecker zieren. Für die Kritiker des Projekts, das bislang immerhin 230.000 Euro kostete, eine Steilvorlage: „Kalter Kaffee“, sagte Hannovers FDP-Ratsfraktionschef Wilfried Engelke. Selbst bei Befürwortern der Imagekampagne hielt sich die Begeisterung in Grenzen. „Es hat einen hohen Wiedererkennungswert – viel mehr kann man nicht wollen“, schrieb etwa Volker Goebel, Leiter der Lokalredaktion der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Ob sich das biedere Image Hannovers mit einem schlichten Stadtlogo aufpeppen lässt, sei dahingestellt. Eines macht die Debatte aber deutlich. Wie Unternehmen stehen auch Städte in einem harten Wettbewerb. Sie kämpfen um Investoren und Arbeitsplätze. Und wie Unternehmen versuchen sie mit einer guten Außenwahrnehmung zu punkten. Gerade in gesättigten Märkten erhoffen sich Unternehmen und Institutionen von einer positiven Außenwahrnehmung Wettbewerbsvorteile. Häufig sind sie dabei aber mit einem Ruf konfrontiert, der in der Öffentlichkeit – ebenso wie im Falle Hannovers – als angestaubt und spießig gilt. Dabei schenken sie dem eigenen Ruf in der Öffentlichkeit ganz besondere Aufmerksamkeit. Zielgruppen werden analysiert, Kunden nach ihrer Zufriedenheit befragt und der Service auf mögliche Schwachstellen untersucht. Auch die Unternehmenskommunikation gibt sich alle Mühe. Das nachhaltige Engagement des Konzerns wird offensiv aber nicht zu marktschreierisch kommuniziert, das Management präsentiert sich öffentlich als führungsstark und dennoch mitarbeiternah, als innovationsstark und dennoch bodenständig. Im Netz wiederum hat man Blogger, Kunden und Interessensgruppen genau im Auge, um im Falle zunehmender negativer Kommmentare schnell gegensteuern zu können. Ist es vielleicht gerade dieser Tick zu viel Reputationsmanagement, der Kommunikationsmanager unter Stress setzt oder, im besten Fall, eine ganze Armada an PR-Fachleuten beschäftigt, die Imagewerte des Unternehmens dennoch nicht in die Höhe treibt? Sollten sich Unternehmensvertreter vielleicht einfach weniger Gedanken um einen korrekten Auftritt machen, damit „authentischer rüberkommen“, wie einige PR-Berater meinen?
Sympathische Unbeholfenheit
In den vergangenen Monaten verwiesen Kommunikationsexperten immer wieder gerne auf die Piratenpartei. Diese komme anscheinend auch ohne professionelles Reputationsmanagement aus. Gerade ihre offen nach außen getragene Unbeholfenheit mache sie erst sympathisch und hebe sie aus der Masse vermeintlich geschniegelter, selbstgefälliger Berufspolitiker heraus. Der Erfolg scheint den Piraten recht zu geben. 8,9 Prozent erlangten sie bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl im September. Kein Wunder, dass die Versuchung auch für Unternehmen groß ist, den kumpelhaften Stil der Piraten zu kopieren. Der Erfolg dürfte mager ausfallen. Der Vergleich mit der Kommunikation für ein gestandenes Unternehmen hinkt. Sie können nicht einfach so tun, als begännen sie von vorn. Während nämlich sympathischen Politneulingen und kreativen Startups sogenannte Kinderkrankheiten als „frisch“ und „authentisch“ verziehen werden, sie in einigen Fällen gar fast Narrenfreiheit genießen, wird ein flapsiger Umgangston eines Dax-30-Konzerns mit seinen Kunden nicht goutiert. Denn der wirkt im Zweifelsfall nicht nur aufgesetzt, sondern arrogant. Der Satz des Spitzenkandidaten der Piraten Andreas Baum: „Natürlich haben wir an manchen Stellen noch Wissenslücken und müssen uns noch weiterentwickeln“, sowie sein Versprechen nach der Wahl „Wir werden uns in alle Themen einarbeiten“, bringen einem Jungpolitiker Sympathien ein. Den Sprecher eines Konzerns könnten sie im Zweifelsfall seinen Job kosten. Und so üben sich Unternehmen weiterhin im Dialog mit Kunden, Mitarbeitern und Zulieferern, unterziehen ihre Marken einer umfassenden Wandlung und lassen Marketing- und PR-Abteilung kreative Kampagnen entwickeln. Kurzum: es wird nachkorrigiert, aufgepeppt und blankpoliert was das Zeug hält. Nicht immer gelingt jedoch der Imagewandel, denn einmal zugeschriebene Vorurteile erweisen sich im öffentlichen Bewusstsein als äußerst zäh und langlebig. Um deutlich zu machen, wie zeit- und ressourcenaufwendig ein Imagewandel sein kann, verweisen Imageberater gerne auf das Zitat Einsteins „Es ist leichter ein Atom zu spalten als ein Vorurteil.“ Für persönliche Imageberater, sicherlich ein gutes Argument, um Kunden zu halten. Schließlich lassen sie sich ihre Dienste gut bezahlen, wie der „Focus“ feststellte. Mit 2.500 bis ?2.000 Euro – pro Tag. Aber Prominentenzitate helfen nicht weiter, wenn aufgebrachte Kunden, das neue Produkt im Firmenblog bereits verbal auseinandernehmen oder dem Unternehmen – inzwischen mit vorbildlicher CO2-Bilanz – immer noch das Bild des Umweltsünders aus den ?980er Jahren anhängt. Tatsächlich halten sich Vorurteile hartnäckig. Selbst bei vorbildlicher unternehmerischer Verantwortung und einwandfreiem Produktportfolio kämpfen Unternehmen manchmal mit einer schlechten Außenwahrnehmung. Werksschließungen, technische Defekte, schlechte Arbeitsbedingungen in einem Zuliefererbetrieb oder Unfälle hängen Unternehmen manchmal noch Jahrzehnte später an. Selbst Unternehmen, die sich nichts zu Schulden kommen lassen haben, hadern mit längst überholten Images. Auf das etwas piefige, typisch deutsche Image Henkels angesprochen, sagte deren Vorstandsvorsitzender in der „Süddeutschen Zeitung“: „Henkel erwirtschaftet 85 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Im Vorstand sind drei von sechs Mitgliedern Nicht-Deutsche. Viel internationaler geht es kaum. Aber ein Image lässt sich nun einmal nicht über Nacht drehen.“ In diesen Fällen bleibt Unternehmen oft nichts anderes übrig, als neben umfangreicher Kommunikation auf den Zeitfaktor zu setzen.
Alles im Blick?
Dennoch kann es notwendig sein, schnelle Kurskorrekturen vorzunehmen, die Außenwahrnehmung gezielt zu verändern. Dann ist die richtige Strategie und Fingerspitzengefühl gefragt. Wer zu sehr poltert, läuft Gefahr an zu hochgesteckten Erwartungen der Allgemeinheit zu scheitern. Leisetreter hingegen werden erst gar nicht wahrgenommen, folglich auch ihr Image nicht verändern. Das Gros der imagebildenden Faktoren lässt sich aber aktiv beeinflussen – Reputationsschäden können Unternehmen bereits im Vorfeld vermeiden. Dafür müssen Kommunikationsmanager allerdings die wesentlichen Imagefaktoren stets im Blick behalten. Dass die Medienberichterstattung über das Unternehmen und das Ansehen der Unternehmensführung entscheidende Faktoren sind, zeigte sich unter anderem im August, als Air Berlin ankündigte, den ehemaligen in der Öffentlichkeit umstrittenen Bahnchef Hartmut Mehdorn als Vorstandsvorsitzenden an Bord zu holen. Unmittelbar nach der Ankündigung hagelte es nicht nur in einschlägigen Blogs hämische Kommentare, auch in repräsentativen Umfragen sackten die Imagewerte der Fluggesellschaft vorübergehend ab. Das Ansehen des Managements und mediale Berichterstattung sind allerdings nur zwei Faktoren, die PR-Verantwortliche kontinuierlich beobachten müssen. Denn auch Innovationskraft, die Qualität der hergestellten Produkte und der Kundenservice wirken sich stark auf das Unternehmensimage aus, werden aber – da eher in der Zuständigkeit des Controllings, der Entwicklung oder des Vertriebs angesiedelt – von der Unternehmenskommunikation gelegentlich außer Acht gelassen. Wie sich das Unternehmen schließlich gegenüber Mitarbeitern, Zulieferern, Gesellschaft und Umwelt verhält, welche Unternehmenskultur es nach außen vermittelt, wirkt sich schließlich ebenfalls auf das Gesamtbild des Unternehmens in der Öffentlichkeit aus. Für die Kommunikation ist das nichts Neues, und dennoch stellen diese Faktoren sie vor enorme Herausforderungen. Denn diese Faktoren nicht nur permanent zu beobachten, sondern sie auch zu verändern, ist eine Managementaufgabe, die mit dem lässigen Auftreten der Piratenpartei freilich wenig zu tun hat. Dennoch können Unternehmen vom stellenweise hölzernen Auftritt der Piraten lernen. Die direkte Auseinandersetzung mit ihren Zielgruppen und eine offene Ansprache bringen mehr Sympathien als effektheischende Events und platte Wahlkampfslogans. Im Kampf um Aufmerksamkeit und Alleinstellungsmerkmale müssen Unternehmen sich trauen, Kante zu zeigen, anzuecken. Zehnmal nachkorrigierte und damit letztlich weichgespülte Aussagen sowie knallbunte Inszenierungen gibt es schließlich zur Genüge.


















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