Milliarden Euro betrug der Gesamtwert der Transaktionen der vier Fusionen und Übernahmen mit Beteiligung deutscher Unternehmen, bei denen die Agentur Hering Schuppener beratend tätig war. Die Zahl bezieht sich auf die ersten drei Monate des laufenden Jahres. Damit liegt Hering Schuppener laut mergermarket M&A-Ranking erneut auf Platz eins im deutschen Markt.
Den Überblick behalten
Ausgabe: 8 / 2011 - Beziehungen
Der Kontakt zu unterschiedlichen Anspruchsgruppen gehört schon per Definition zu den wesentlichen Aufgaben des PR-Managers. Beziehungen zu Zielgruppen außerhalb des Unternehmens helfen nicht nur, Unternehmensziele und -strategien nach außen zu vermitteln, auch Reputationsrisiken lassen sich mit ihnen rechtzeitig erkennen. So lässt sich zeitnah gegensteuern. Kommunikationsexperten müssen nicht nur die Beziehungen erst selbst knüpfen, sondern oft erst ihre spezifischen Anspruchsgruppen identifizieren. Sie benötigen ein eigenes Stakeholder- Relationship-Management. In der alltäglichen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des PR-Managers kommen die Beziehungen zu den anderen Stakeholdern jedoch oft zu kurz. Zu routiniert ist der Umgang mit Journalisten, zu wenig Zeit bleibt für Kontaktaufbau und Beziehungspflege zu anderen Zielgruppen. Auch in der theoretischen Auseinandersetzung steckt die Beziehungspflege zu den zahlreichen alten und neuen Anspruchsgruppen noch in den Anfängen. Während Beziehungsmanagement aus dem Vertriebswesen, aber auch das Beziehungsmarketing weit fortgeschritten sind, kratzen viele Veröffentlichungen an der Oberfläche, wenn es um Beziehungspflege in der Unternehmenskommunikation geht. Ist Beziehungspflege also tatsächlich eine Managementaufgabe oder ist sogenanntes Relation Management nichts weiter als ein aufgeblasener Begriff, um Binsenweisheiten in die Branche zu streuen und den Verkauf mehr oder weniger brauchbarer Praxisratgeber anzukurbeln? Tatsächlich tummeln sich im Netz zahlreiche Berater, die bereits eine klare, deutliche Aussprache während eines Interviews oder die Bereitstellung von Bildmaterial als Beziehungsmanagement zu Journalisten ausgeben. Auf der anderen Seite treiben ernstzunehmende Ratgeber das Stakeholder- Management mit umfangreichen Analysen, soziodemografischen Zielgruppenprofilen und Prognosen in neue Sphären. Hehre Ansprüche, die sich in großen Konzernen umsetzen lassen, aber in mittelständischen Unternehmen, wenn schon nicht am Zeitmangel des PR-Verantwortlichen, spätestens an dessen Budget an ihre Grenzen stoßen.
Nur Teilaspekte
Der Einsatz sozialer Medien, um mit Kunden, Investoren, Lieferanten und potenziellen Kritikern im Kontakt zu bleiben, wurde in den vergangenen Jahren breit diskutiert. Keine Frage, soziale Medien haben den Kontakt zwischen Unternehmen und Anspruchsgruppen revolutioniert und neue Zielgruppen auf die Kontaktliste der PR-Manager gesetzt. Der Einsatz von Facebook, Twitter und Youtube ist aber nur ein Teilaspekt der Beziehungspflege. Andere Unternehmensbereiche, wie Controlling, Marketing und Vertrieb, klassifizieren und ordnen ihre Kontakte zu anderen Anspruchsgruppen seit Langem systematisch. Das klassische Stakeholder Management klassifiziert Anspruchsgruppen nach ihrem jeweiligen Wirkungsgrad. Je höher der erwartete Nutzen beziehungsweise Schaden, den die jeweilige Zielgruppe verursachen kann, desto wichtiger sind gute Kontakte zu ihr. Das Beziehungsmanagement im Kundengeschäft soll positive Rahmenbedingungen für Geschäftsverhandlungen schaffen, den Kunden oder Lieferanten dauerhaft an das Unternehmen binden, also zu verhindern, dass er sich der Konkurrenz zuwendet. Anders als im Beziehungsmanagement des Vertriebs, können Kommunikationsmanager ihre Zielgruppen nur schwer nach Ertragswert klassifizieren und danach festlegen, wie intensiv sie jeweils betreut werden müssen. Aber auch PR-Manager müssen Entscheider identifizieren, klären, wer im Unternehmen für den jeweiligen Kontakt zuständig ist, und Zwischenergebnisse analysieren, um die Beziehung möglicherweise neu zu gestalten. Bislang lag der Fokus von PR-Konzepten auf Marktteilnehmern, Medien und Verbänden. Personen, die nicht aber zu diesen Kreisen gehörten, dennoch aber Einfluss auf die Geschicke des Unternehmens nehmen können, wurden dagegen kaum beachtet. Immer häufiger aber wollen nicht mehr nur unmittelbar Betroffene der Unternehmenstätigkeit – Anteilseigner, Mitarbeiter, Kunden, Anwohner und Bezugsgruppen, – sondern auch nicht direkt Involvierte – neben Journalisten auch Sozialverbände, Umweltgruppen, Bürgerinitiativen, Wissenschaftler – in Entscheidungsprozesse des Unternehmens einbezogen werden. PR muss daher nicht nur Zielgruppen analysieren, sondern auch potenziell kritische Themen, die sie an die Unternehmen herantragen. Das Beziehungsmanagement für PR-Manager ist daher eng mit dem Reputations- und Issue-Management verbunden. PRVerantwortliche müssen anhand potenziell kritischer, aber auch positiver Themen die entsprechenden Zielgruppen bereits vorab identifizieren. Den Kontakt zu Mitarbeitern oder Interessengruppen erst dann zu suchen, wenn Restrukturierungen anstehen oder ein neues Werk gebaut werden soll – kurz, wenn die Luft brennt –, greift zu kurz und wird in der Regel als das erkannt, was es ist: der verzweifelte Versuch, Kritiker doch noch auf die eigene Seite zu ziehen. Doch auch wenn es gelingt, neue Interessengruppen zu identifizieren und in das Kommunikationskonzept einzubinden: Weder die Erwartungen noch die Zielgruppen sind statisch. Interessen können sich, ebenso wie Themen und Allianzen schnell ändern. Eine kritische Umweltgruppe kann, dank guter Kommunikation und enger Kooperation zum Verbündeten, zuverlässige Kunden dagegen über Nacht zu schärfsten Kritikern werden. In regelmäßigen Abständen müssen PR-Verantwortliche daher Themen und Beziehungen überprüfen. Die Beobachtung und Bewertung der Anspruchsgruppen und ihrer Machtpotenziale gehört neben der Identifizierung der Gesprächspartner zum Beziehungsmanagement dazu.
Nicht nerven
Netzwerke müssen allerdings nicht nur aufgebaut, sondern auch gepflegt werden. Gerade im Kontakt zu Journalisten, aber auch zu anderen Stakeholdern, ist der Grat zwischen Vernachlässigung und permanenter Belästigung schmal. Das richtige Maß ist entscheidend. Denn die einfache Rechnung: je wichtiger das Gegenüber, desto intensiver die Betreuung, kann für Kommunikationsverantwortliche der Schuss in den Ofen sein. Im Beziehungsgeflecht des Kommunikationsmanagers bedeutet ein wichtiger Kontakt gerade nicht, dass dieser wöchentlich ‚gepflegt‘ werden muss. Nachhaltige Beziehungen zu Journalisten aufzubauen heißt weder, sich dann zu melden, wenn mal wieder eine Pressemitteilung des eigenen Unternehmens „platziert“ werden soll, noch permanent in den Redaktionen anzurufen, ob auch die verschickte Einladung angekommen ist, gegebenenfalls noch ergänzt durch die Frage, warum denn der Journalist nicht an der Präsentation teilnehmen würde. Sich dagegen bei Medien als kompetenten Gesprächspartner für brennende Themen anzubieten, dürfte bei einem Großteil der Journalisten auf Gegenliebe stoßen. Doch ob Kontakt zu Journalisten oder Umweltinitiativen: Für Beziehungsaufbau und -pflege müssen die notwendigen Finanzen und Personalkräfte zur Verfügung gestellt werden. Und hier beginnt vor allem in mittelständischen Unternehmen das Problem. Denn wo Kommunikationsmanager ohnehin ihre Existenz im Unternehmen stets rechtfertigen müssen, fehlt eben auch häufig das Verständnis für umfassende Zielgruppenstudien und Social-Media-Resonanzanalysen. Sie müssen ihren Kontakt mit Medien und anderen Zielgruppen mit weniger Aufwand bewerkstelligen und in ihrem eigenen Unternehmen Überzeugungsarbeit leisten. Auch die Frage, wer den Kontakt zu bestimmten Zielgruppen pflegt, ist entscheidend. Ist es der Kommunikationschef, der zur Debatte mit einer kritischen NGO erscheint, oder gar der Vorstandsvorsitzende oder nur ein Referent aus der PR-Abteilung? Nicht zuletzt muss die Unternehmenskultur eine Kooperation mit nicht direkt involvierten Anspruchsgruppen zulassen. PR-Manager benötigen nicht nur freie Hand, um mit Anwohnern, Umwelt- oder Verbraucherschützern zu verhandeln, sondern auch die Möglichkeit mit ihnen gemeinsame Vereinbarungen zu treffen. Damit der Aufbau und die Pflege von Kontakten gelingen können, muss vor allem eine Beziehung des Unternehmenssprechers funktionieren – die zum Top-Management. Nicht zuletzt müssen Kommunikationsverantwortliche ein neues Verständnis ihrer Arbeit entwickeln. „Das Selbstverständnis des Beziehungsmanagers setzt andere Schwerpunkte“, schrieb der ehemalige Metro-Kommunikationschef Wolfgang Griepentrog in seinem Blog. „Es stellt den Unternehmensinteressen die Erwartungen der Stakeholder gegenüber und zielt grundsätzlich darauf ab, diese optimal zu erfüllen.“


















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