Milliarden Euro betrug der Gesamtwert der Transaktionen der vier Fusionen und Übernahmen mit Beteiligung deutscher Unternehmen, bei denen die Agentur Hering Schuppener beratend tätig war. Die Zahl bezieht sich auf die ersten drei Monate des laufenden Jahres. Damit liegt Hering Schuppener laut mergermarket M&A-Ranking erneut auf Platz eins im deutschen Markt.
Mitarbeiter-TV – vom Bauch in den Kopf
Ausgabe: 8 / 2011 - Beziehungen
Bürokratie, Behördendschungel, Beamtendeutsch – mit ihrem Image als verstaubte Amtstube hatte die Bundesagentur für Arbeit (BA) lange zu kämpfen. Wie einst Asterix und Obelix in Rom auf der Suche nach Passierschein A38 waren, so stellte sich manch einer den Alltag in den rund ?76 Arbeitsagenturen vor. Dabei hat sich die größte Behörde der Republik längst von der bloßen Verwaltungsanstalt zum modernen Dienstleister am Arbeitsmarkt gewandelt. Dieser Imagewechsel hat sich nicht nur außen vollzogen, auch intern finden sich die Mitarbeiter als Teil einer modernen Organisation wieder. Das Zauberwort: Kommunikation. Eine ungeheuere Herausforderung – rund 120.000 Mitarbeiter arbeiten an über 800 Standorten mit den verschiedensten Themenbereichen: vom Berufsberater über den Vermittler bis hin zu IT, Marketing und Controlling. Hinzu kommt eine Flut an komplexen Sachverhalten, die oft nur für die jenigen verständlich sind, die sich tagtäglich damit beschäftigen und die noch dazu noch über mehrere Kanäle verbreitet werden. Neben aktuellen Informationen aus dem Intranet und täglichen Mails erreichen die Nachrichten den Empfänger über Newsletter, Vorstandsbriefe oder Handlungsempfehlungen. Dazu erscheint alle zwei Monate die Mitarbeiterzeitung „Dialog“. Ein alle Standorte und Mitarbeiter verbindendes Instrument zu schaffen, welches aktuell, anschaulich und nachgefragt zugleich ist, ist da unerlässlich. Seit über vier Jahren setzt die BA deshalb auf das Kommunikationsmittel Mitarbeiterfernsehen und betreibt damit eines der größten Corporate-TV-Projekte Deutschlands. Alle zwei Wochen flimmert eine neue Ausgabe von BA direkt über die 120.000 PC-Bildschirme und erhält großen Zuspruch: Seit der Pilotsendung 2007 sind die Zugriffszahlen auf bis zu 100.000 Klicks pro Sendung im Jahr 2011 gestiegen. John-Philip Hammersen, seit 2005 Kommunikationschef der BA, sieht seine Argumente für ein Mitarbeiterfernsehen bestätigt: „Eine unserer größten Aufgaben ist es, ein ‚Insel- Denken’ zu vermeiden. Unsere Mitarbeiter sollen die internen Prozesse kennen und auch verstehen, sich außerdem als Teil des Ganzen fühlen. Dazu braucht es eine informative, anschauliche und vor allem emotionale Ansprache. Kein Medium kann das besser als Fernsehen.“
Ausgewogene Mischung
Nachhaltige Informationsaufnahme durch Emotionalität ist eines der wichtigsten Argumente für Corporate-TV-Projekte. Denn neben der Vermittlung von Informationen, die die Arbeitswelt der Mitarbeiter direkt betreffen, leistet das Mitarbeiterfernsehen einen wesentlichen Beitrag zum Wir-Gefühl. Das kommt besonders in der inhaltlichen Gestaltung der Sendung zum Ausdruck. Service- und Gesundheitsthemen wie Telearbeit, Fit auf dem Bürostuhl oder Burnout vermitteln die Wertschätzung der BA gegenüber ihren Mitarbeitern, erhöhen die Identifikation, die Motivation und nicht zuletzt die Produktivität. Dazu gehört auch, dass nicht Vorstandsvorsitzender Franz-Jürgen Weise selbst die Hauptrolle im hauseigenen Fernsehen spielt. BA direkt ist echtes Mitarbeiterfernsehen, kein Vorstandsfernsehen. Jeder der 120.000 Mitarbeiter kann Themen für die Sendung vorschlagen, genauso wie jeder sein Lob oder seine Kritik vorbringt und gehört wird. Die circa 15-minütige moderierte Sendung ist für jeweils zwei Wochen zu jeder Zeit und von jedem Arbeitsplatz im Intranet abrufbar. Eingebettet in eine Rich-Media- Oberfläche, können hier jederzeit weitere Informationen zu den Themen abgerufen werden. Nach der Ausstrahlung stehen alle Sendungen für jeweils ein Jahr im Archiv zum Download bereit, hierfür genügt bereits eine Speicherkapazität von 4 Gigabyte. Durch hinterlegte Beitragstexte ist auch die Barrierefreiheit der Sendung gewährleistet. Gestalterisch orientiert sich die Sendung am klassischen Magazinformat. Vorproduzierte Beiträge wechseln mit Kompakt-News und Interviews zu bestimmten Themen, Sondersendungen bei aktuellen Anlässen lassen sich zeitnah umsetzen. Ob Gesetzesänderungen, neue Programmversionen oder Best-Practice-Beispiele von Agenturen aus dem gesamten Bundesgebiet – die Macher von BA direkt legen Wert auf eine ausgewogene Mischung aus Information, Praxiswissen und Service. So lassen sich mit BA direkt bundesweit alle Mitarbeiter schnell und umfassend auf den neuesten Stand bringen. Einige Beispiele: Im Juni dieses Jahres wurde auch in der BA die e-Akte eingeführt, Auftakt für das Pilotprojekt war in den Agenturen Halle und Berlin, wo sich die Scan- Zentren befinden. Kaum ein Medium eignet sich besser als das bewegte Bild, den Mitarbeitern in den übrigen Standorten zu zeigen, welche Änderungen in ihrem Arbeitsalltag auf sie zukommen. Manche Themen, selbst staubtrockene, werden zu Serienhits: Regelmäßig gibt es für die „Anwendung Arbeitslosengeld II – Leistungen zum Lebensunterhalt“ neue Software-Versionen, die umgehend in BA direkt erklärt werden – das spart Schulungen, Zeit und Geld. Doch trotz der hohen Zugriffszahlen fallen die vor allem durch Screenshots geprägten Filme über IT-Anwendungen aus der Reihe. „Mitarbeiter-TV unterliegt den gleichen Grundsätzen wie klassisches Fernsehen: Nur wo es Bilder gibt, gibt es einen Film. Die Botschaften müssen kurz sein und emotional verkauft werden und vor allem brauchen Sie Profis, die all das schnell und effektiv umsetzen können“, sagt Hammersen.
Produktion durch Profis
Die redaktionelle Hoheit, sowohl für Auswahl und Planung der Themen als auch für die Abnahme der fertigen Sendung, liegt bei der Pressestelle der BA-Zentrale in Nürnberg. Moderatorin und BA-direkt- Verantwortliche Nicola Sengelmann - Kahn wurde unter anderem für diese Aufgabe in die BA geholt: „Nach vier Jahren wissen wir, welche Themen sich nicht nur bildlich gut umsetzen lassen, sondern auch relevant für unsere Mitarbeiter sind und ihnen einen tatsächlichen Nutzwert bringen. In erster Linie wollen wir ja informieren, nicht unterhalten – einen langweiligen Beitrag schaut sich trotzdem keiner an“, sagt sie. Im Postfach der Pressestelle laufen jeden Tag neue Themenvorschläge ein, von der Integrationsmesse in München bis zur Berufsberatung auf Helgoland. Sie werden in enger Abstimmung mit einem externen Dienstleister bewertet. Denn produziert und redaktionell betreut werden die Beiträge nicht in der BA selbst, sondern mitten im Ruhrgebiet. Seit 2010 ist die Kommunikationsagentur I-Dear in Bochum mit der Umsetzung beauftragt. Das Team übernimmt dabei die gesamte Produktion der Sendung. Themen werden recherchiert, Konzepte, Drehorte und Protagonisten ausgewählt. Gedreht wird in ganz Deutschland, mit Kamerateam und Redakteur, die Organisation liegt ganz bei der Bochumer Agentur, die sich auch immer für die Weiterentwicklung des Formates einsetzt. So wurde neben Beitrags-Teasern zu Beginn der Sendung die Rubrik BA kompakt eingeführt, kürzlich lief das erste Studiointerview. „VJs sind vielleicht günstiger“, sagt John-Philip Hammersen, „doch darunter leidet die Qualität, handwerklich und inhaltlich. Wir wollen unseren Mitarbeitern ein einwandfreies Produkt, nämlich hochwertiges TV liefern.“ Alle zwei Wochen verwandelt sich ein Presseraum in der Nürnberger Zentrale in ein modernes Bluebox- Studio. Hier werden Moderationen und Interviewsequenzen aufgezeichnet. Die blaue Wand verwandelt sich in der Nachbearbeitung am Schnittplatz in ein virtuelles Studio ganz im Coporate Design der BA. Die gesamte Postproduktion – Schnitt, Vertonung, Fertigstellen der Sendung – erfolgt durch das I-Dear- Team. Mit Erfolg. Seit der redaktionellen Umsetzung und Produktion durch die Agentur im Februar 20?0 sind die Zugriffszahlen um rund 60 Prozent gestiegen. Eine Folge: Der Vertrag mit der BA wurde um weitere zwei Jahre verlängert. Krisen gab es bislang bei den BA-Fernsehmachern nicht. Geschuldet ist dies der schnellen und feinteiligen Abstimmung zwischen der I-Dear- Redaktion und der Pressestelle der BA. Nach Abnahme der Sendung auf elektronischem Weg durch die Pressestelle wird die Sendung als wmv-Datei mit einer Größe von 90 bis 100 Megabyte an das IT-Systemhaus der BA in Nürnberg ausgeliefert. Von hier aus werden die Daten über Nacht auf dezentrale Server verteilt. So sind, anders als beim Videostream, mehrere Zugriffe zur gleichen Zeit möglich. BA direkt wird mit 320 x 240 Bildpunkten ausgestrahlt, die Tonausgabe erfolgt über die regulären PC-Lautsprecher. Jede neue Sendung wird den Mitarbeitern per E-Mail angekündigt.
Hohe Akzeptanz
Ein Corporate-TV-Projekt dieser Größenordnung ruft gerade bei einer staatlichen Behörde auch immer wieder Kritik auf den Plan, wie beispielsweise im Dezember vergangenen Jahres in einem Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“. „Viele der Kritikpunkte waren schlichtweg falsch. Für die Produktion der Sendung steht jährlich ein Budget von 500.000 Euro zur Verfügung. Ende 2012 werden wir im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsprüfung den Nachweis führen, dass es sich um ein erfolgreiches Projekt handelt“, sagt John-Philip Hammersen. Schon jetzt sprechen die Zahlen für eine hohe Akzeptanz. In einer Umfrage bewerteten 85 Prozent der Befragten das Mitarbeiterfernsehen mit ‚gut’ oder ‚sehr gut’. Dabei zählt vor allem, dass BA direkt nicht für sich allein steht, sondern sich in das Medium Intranet einfügt, die Inhalte mit der Mitarbeiterzeitung und geschäftspolitischen Belangen abgestimmt werden und der Vorstand seine Botschaften so umfassend an die Mitarbeiter bringen kann. Darüber hinaus hat das Medium Film auch in anderen Bereichen der BA-Welt Platz gefunden. Auf dem Orientierungsportal Berufe.TV werden Jugendliche per Film über Berufsbilder informiert, im internen E-Learning- Bereich haben sich bewegte Bilder längst bewährt. Die BA hat frühzeitig erkannt, dass das weltweite Leitmedium Nummer eins – Fernsehen – im Rahmen einer funktionierenden Kommunikation unerlässlich ist. John-Phillip Hammersen: „Will ich Inhalte nachhaltig verankern, muss ich den Bauch treffen, um im Kopf zu landen, und es gibt eben kein Medium, welches Stimmungen besser erzeugt als das bewegte Bild, vorausgesetzt es wird vernünftig produziert.“
Ralph Brodel, Geschäftsführer von I-Dear über die Voraussetzungen für gutes Mitarbeiter-TV:
1. Generell gilt: Je mehr Mitarbeiter ein Unternehmen hat und/oder je dezentraler es organisiert ist, desto mehr lohnt sich die Kommunikation durch das Medium Film durch die emotionale Ansprache und die daraus resultierende Corporate Identity.
2. Zielgruppen kennen und sich von ihnen leiten lassen: In der BA sind rund 70 Prozent aller Mitarbeiter Frauen. Also müssen Themen ihren Interessen entsprechen und entsprechend aufbereitet sein. Das heißt aber nicht, dass die 30 Prozent Männer ignoriert werden dürfen.
3. Keine Alleingänge: Mitarbeiter-TV darf kein Konkurrenzprodukt zu anderen Kommunikationsmitteln sein, sondern muss in die gesamte Kommunikation integriert werden, die Informationsflüsse untereinander müssen funktionieren.
4. Kosten/Nutzen: Eine regelmäßige Sendung muss geplant sein – auch finanziell. Relativ hohen Anfangskosten steht ein hoher Langzeitnutzen gegenüber. Einmal gedrehtes Material lässt sich weiterverwenden: für Imagefilme, Messespots, TV-Beiträge, Footage …
5. Die Mannschaft: Redaktion, Kamerateams, Techniker, Equipment – häufig lohnt es sich, die Produktion auszulagern. Die Betreuung der Sendung seitens des Unternehmens sollte jedoch jemand übernehmen, der die TV-Anforderungen kennt oder sich zumindest darauf einlässt.
6. TV-gerecht denken: Wackelige Bilder, schlechte Schnitte, miserabler Ton – die Deutschen sind im TV einen hohen Standard gewohnt – und schalten ab, wenn dieser nicht geliefert wird. Amateurfilme gehören besser auf einen Youtube-Kanal. Auch inhaltlich muss man sich an die TV-Spielregeln halten – ein Bild sagt mehr als tausend Worte und für so viel Text ist in drei Minuten Film sowieso kein Platz. Trotzdem gilt: professionelles Storytelling statt Themen einfach runterbeten.
7. Mitarbeiter beteiligen: Mitarbeiterfernsehen ohne deren Beteiligung ist unglaubwürdig. Sie sind die Experten auf Seiten des Unternehmens und sollten als solche gehört werden. Wenn auch der Moderator aus den eigenen Reihen stammt, erhöht dies die Akzeptanz.
8. Netzwerken: Nicht alle Drehs finden in der Konzernzentrale statt: Wer mit erfahrenen Produzenten arbeitet, kann sich auf ein weitverzweigtes Netz von Kameramännern, Technikern und Cuttern verlassen. Das garantiert Flexibilität und spart Kosten.
9. Kontinuierliche Auswertung von Auftraggeber und Produktion: Welche Themen werden wann von wem geguckt? Wer das weiß, kann reagieren und sein Programm ständig verbessern.
10. Durchhalten: Das Raumschiff Enterprise sollte nach zwei Folgen abgesetzt werden. Auch erfolgreiches Mitarbeiter-TV braucht eine Anlaufzeit, um zum Quotenbringer zu werden.


















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