Milliarden Euro betrug der Gesamtwert der Transaktionen der vier Fusionen und Übernahmen mit Beteiligung deutscher Unternehmen, bei denen die Agentur Hering Schuppener beratend tätig war. Die Zahl bezieht sich auf die ersten drei Monate des laufenden Jahres. Damit liegt Hering Schuppener laut mergermarket M&A-Ranking erneut auf Platz eins im deutschen Markt.
Schlingerkurs
Ausgabe: 7 / 2011 - Image
Im Dezember 2006 waren es Günther Beckstein und Markus Söder, 2007 probierte es Günther Oettinger und 2009 wagte Horst Seehofer einen Versuch. Die Diskussion über eine Maut für Pkw strapaziert seit Jahren die Nerven der deutschen Autofahrer. Obwohl sie bereits unzählige Male für beendet erklärt wurde, taucht die Debatte immer wieder auf und erhitzt die Gemüter. Wenig später verabschiedet sie sich meist wieder in eine Art Winterschlaf. Die Idee für eine Pkw-Maut haben dieses Jahr der bayerische Ministerpräsident und CSU-Parteivorsitzende Horst Seehofer und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ins Gespräch gebracht. Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte die Maut-Einführung bereits mehrfach ab. Ramsauer scheint dies nicht zu stören. Mit zeitlich gut platzierten Aussagen hält er die Maut-Diskussion am Laufen. Details nennt Ramsauer allerdings nicht, nur wage Überlegungen. Der Debatte tut dies keinen Abbruch. Kommt die Maut oder kommt sie nicht? Während Ramsauer diese Frage unbeantwortet lässt, beziehen Maut-Gegner Stellung. Dabei kommt es unter ihnen zu einem seltenen Schulterschluss. Automobilclubs und Umweltverbände sind sich in vielen Aspekten der Argumentation gegen die Einführung einer Pkw-Maut einig. Befürworter melden sich bislang nur vereinzelt zu Wort.
Dementi
Mitte April dieses Jahres veröffentlichte die „Bild“-Zeitung Tabellen aus geheimen Plänen des Bundesverkehrsministeriums für eine Pkw-Maut. Laut „Bild“ sahen die Modelle vor, dass Fahrer von Pkw und Lkw unter zwölf Tonnen Gesamtgewicht zwischen 80 und 365 Euro jährlich zahlen sollten. Motorradfahrer kämen billiger weg. Für die Bundesregierung bedeute dies Einnahmen zwischen 3,4 und ?5,5 Milliarden Euro. Nach der Meldung von „Bild“ griffen auch „Spiegel“, „Stern“ und „Focus“ das Thema auf. Die SPD forderte Ramsauer auf, seine Pläne offen zu legen, Die Linke meldete sich mit Bedenken zum Datenschutz und der drohenden Ungerechtigkeit durch pauschale Mautabgaben und der ADAC stellte auf seiner Internetseite ein Video mit Gegenargumenten online. Die Aufregung war groß – von Seiten des Bundesverkehrsministeriums erfolgte ein Dementi. Alles nicht so schlimm. Zwar würden unterschiedliche Szenarien für eine Pkw-Maut existieren, konkrete Pläne für eine Einführung gäbe es jedoch nicht. Die Papiere seien lediglich erarbeitet worden, um dem Minister bei seiner Argumentation gegen eine Pkw-Maut zu unterstützen, teilte eine Sprecherin des Ministeriums mit. Schließlich müsse man auch auf Dinge vorbereitet sein, die man nicht unterstütze. Auch die Bundeskanzlerin ließ im April durch den damaligen stellvertretenden Regierungssprecher Christoph Steegmans ausrichten, dass eine Pkw-Maut im Koalitionsvertrag nicht vorgesehen sei und daher auch nicht zur Debatte stehe. Diskussion beendet? Keineswegs. Bundesverkehrsminister Ramsauer nahm sich der Pkw- Maut daraufhin persönlich an und ging medial in die Offensive. Es gebe keine Denkverbote hieß es aus dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Bereits seit Längerem beklagt der Minister, dass sein Haushalt „strukturell unterfinanziert“ sei. Unterstützung erhielt Ramsauer vom bayerischen Innenminster Joachim Herrmann. „Wenn wir die Probleme bei der Finanzierung des Straßenverkehrs langfristig lösen wollen, müssen wir über eine Pkw-Maut nachdenken“, sagte der CSU-Politiker dem „Focus“. Bei den Automobilclubs stößt die Aussage jedoch auf Widerstand. „Die Autofahrer zahlen in Deutschland bereits genug“, sagt Sabine Götz, Leiterin Presse des Automobilclubs von Deutschland (AvD). Über 50 Milliarden Euro würden bereits durch Kfz-, Mineralöl- und Mehrwertsteuer sowie Einnahmen der Lkw-Maut an den Staat gezahlt. Das Problem liege vielmehr darin, dass lediglich ein Drittel des Geldes zurück in das Straßennetz fließe. Der Großteil versickere im Bundeshaushalt, sagt Götz. Der AvD plädiert daher dafür, die verkehrsspezifischen Einnahmen zweckgebunden einzusetzen und das Finanzbudget für die Infrastruktur vom Bundeshaushalt und den Länderetats abzukoppeln. Die Einführung einer Pkw-Maut lehnt der AvD entschieden ab und das bereits seit Jahren. Besonders sauer stößt den Mautgegnern jedoch die Aussage Ramsauers auf, nur ausländische Autofahrer würden künftig für die Maut aufkommen. Dies sei eine Frage der Fairness, da die deutschen Autofahrer in fast allen Nachbarländern durch Mautgebühren ihren Beitrag für ein intaktes Straßennetz leisten würden. Daher sei es nur gerechtfertigt, dass sich ausländische Autofahrer auch in Deutschland künftig an den entstehenden Kosten beteiligen würden, heißt es im Leitantrag des CSU-Vorstands im Vorfeld des Parteitags in Karlsruhe. Eine solche Regelung würde allerdings gegen geltendes EU-Recht verstoßen. „Das Ausländer-Argument ist absoluter Humbug“, sagt Jens Hilgenberg, Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bund für Naturschutz Deutschland (BUND). Rund 95 Prozent der geplanten Mauteinnahmen würden von den deutschen Autofahrern erbracht werden müssen. Der Anteil an Kosten, die durch ausländische Pkw entstehen würden, liege laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung bei lediglich 1,4 Prozent des Gesamtbetrags. Doch die Idee ist nicht neu. Schon in früheren Debatten tauchte dieses Argument auf. Gefühlsmäßig befinde sich der AvD beim Thema Pkw-Maut in einer Zeitschleife. Alle paar Monate kämen sich die Autofahrer wie Bill Murray in der Komödie ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘ vor, schrieb der AvD in einer Mitteilung. „Wir erleben immer wieder dieselbe Debatte mit denselben Stammtisch-Parolen“, sagt Götz. Der Vorteil für die Mautgegner: Nach Gegenargumenten müssen sie nicht lange suchen. Der Blick ins Archiv reicht manchmal aus. Auf der Internetseite des ADAC findet sich beispielsweise eine pdf-Datei „Pkw-Maut: Einige Fakten zu populären Thesen“ mit dem Stand: November 2009. Warum die Diskussion um die Pkw- Maut bei jeder Erwähnung erneut hochkocht, glaubt Sabine Götz für die Mautgegner beantworten zu können. „Wir können die Scheinargumente der Befürworter in dieser populistisch geführten Debatte nicht einfach so stehen lassen – insbesondere das Argument, man wolle endlich die ausländischen Kraftfahrer zur Kasse bitten. Deren Anteil auf den deutschen Autobahnen beträgt gerade einmal fünf Prozent“, sagt Götz. Man müsse jedes Mal reagieren. Über Pressemitteilungen, die eigene Internetseite und aktuelle Medienanfragen bezieht der Automobilclub gegenüber Maut-Befürwortern, Politik und eigenen Mitgliedern Stellung. Mit Argumenten, Daten und Fakten versucht man auch beim BUND, den Befürwortern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Maut-Debatte ist hier ebenfalls ein latentes Thema. Als Anfang September die Diskussion etwas abflachte, forderte der Umweltverband Bundesverkehrsminister Ramsauer auf, die geplante Einsetzung einer Maut-Kommission Mitte September abzusagen. „Bevor man über die Einführung einer Pkw-Maut spricht, muss die Politik zunächst die Prioritäten in der Verkehrspolitik neu ordnen“, sagt Hilgenberg. Bei der Pkw-Maut gehe es, nach Einschätzung des BUND, nicht um den Erhalt vorhandener Straßen. Zu befürchten sei vielmehr, dass die Mautgebühren als zusätzliche Einnahmen für überteuerte Prestige- und Großprojekte gesehen werden. „Über diese Einstellung muss in der Politik erneut nachgedacht und vor allem offen gesprochen werden“, sagt Hilgenberg. Aus diesem Grund lehnt der BUND bisher vorgelegte Mautpläne ab.
Zustimmung
Auf die Meinung der Bevölkerung scheint die Debatte indessen wenig Einfluss zu nehmen, hier zieht der Kostenfaktor. Laut Umfrage der Beratungsgesellschaft Faktenkontor und des Marktforschers Toluna erachteten Mitte Oktober 49 Prozent der Deutschen eine Maut für die Autobahnnutzung als sinnvoll. 42 Prozent sprechen sich gegen die Gebühren aus. Die restlichen neun Prozent sind noch unentschlossen. Nach der Zahlungsbereitschaft gefragt, zeigt sich ein etwas anderes Bild. 36 Prozent der Befragten würden gar nichts zahlen. 28 Prozent wären zu einem Betrag von höchstens 40 Euro bereit. Viele Befragte sind der Ansicht, dass sie in der Vergangenheit für die Autonutzung schon tief genug in die Tasche greifen mussten. Für 47 Prozent der Deutschen seien die hohen Benzinpreise der vergangenen Monate sowie die nun in der Diskussion stehende Maut sogar ein guter Grund, das Auto künftig häufiger stehen zu lassen. Die Autofahrer scheinen dem Versprechen der CSU-Politiker, für eine Kompensation sorgen zu wollen, nicht zu trauen. „Können sie auch nicht“, sagt Götz. Bislang hätten weder die CSU noch Ramsauer konkrete Modelle für eine Entlastung vorgelegt. Kurz vor dem CSU-Parteitag am 7. und 8. Oktober nahm die Debatte erneut Geschwindigkeit auf. Zwei Tage zuvor hatten sich die Verkehrsminister der Bundesländer zu einer gemeinsamen Konferenz getroffen. Ramsauer erhoffe sich von der Konferenz auch ein positives Signal für die Pkw-Maut, hatte er gegenüber Medienvertretern gesagt. Doch das erhoffte Signal blieb aus. Nach kontroversen Diskussionen lehnten die Verkehrsminister sowohl streckenabhängige Autobahngebühren als auch die Einführung von Vignetten ab. Unterstützung erhielt der Verkehrminister allerdings vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB). Dieser griff mit einem Statement seines Hauptgeschäftsführers Gerd Landsberg in die Debatte ein. Die Pkw-Maut sei eine Chance, die dringend notwendige Straßensanierung verursachergerecht zu finanzieren, heißt es in der Stellungnahme, die am 6. Oktober in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ erschien. Umsetzen ließe sich die Pkw-Maut durch das bereits eingeführte Mautsyststem für Lkw. „Es war genau der richtige Zeitpunkt die Diskussion auch aus kommunaler Sicht anzustoßen“, sagt Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des DStGB. Der DStGB befürworte zwar die Pkw- Maut, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Denn die Einnahmen sollten nach Ansicht des Interessensverbunds zweckgebunden und für das gesamte Straßennetz eingesetzt werden. Einen großen Teil der Mauteinnahmen käme so auch den Kommunen zu gute. Schließlich seien von den rund 680.000 Kilometern Straße in Deutschland, gut 450.000 Kilometer in kommunaler Verwaltung. Und auch diese Straßen hätten eine Sanierung bitter nötig, damit vorhandene „Schlaglochpisten“ beseitigt werden könnten. Mit einem Diskussionspapier sucht der DStGB nun nach Mitstreitern. „Aus kommunikativer Sicht haben wir ein erstes Ziel erreicht. Über neue Finanzierungsmöglichkeiten für die Straßensanierung wird weiter nachgedacht“, sagt Habbel. Auch die CSU stärkte auf ihrem Parteitag ihrem Verkehrsminister den Rücken. Mit einer großen Mehrheit stimmte sie für die Einführung der Autobahngebühr. Doch kaum ist der CSUParteitag vorbei, wird es auch in der öffentlichen Maut-Diskussion wieder ruhiger. Die CSU gibt sich, vom Parteitagsbeschluss bestärkt, zuversichtlich. Man wolle nun den Mautvorschlag in den Koalitionsausschuss einbringen. Ob die Einführung einer Pkw-Maut dort auf den Weg gebracht wird, ist ungewiss. Die Koalitionspartner auf Bundesebene signalisieren mittlerweile zumindest Gesprächsbereitschaft. Gegenüber der „Bild am Sonntag“ sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wenn ein Koalitionspartner über ein Thema reden möchte, kommt das auf die Tagesordnung.“ Nach einer Zustimmung zur Maut klingt dies nicht unbedingt, eine klare Absage ist es jedoch ebenfalls nicht.
Umsetzung fraglich
Wie beim Treffen der Koalitionsspitzen Ende Oktober, steht die Pkw-Maut auch weiterhin auf der Tagesordnung. Obwohl er die Maut-Thematik in die Bundespolitik gebracht hat, gerät Ramsauer erneut ins Schleudern. Von einer Umsetzung der Maut in der noch laufenden Wahlperiode sei kaum noch auszugehen. Kurz vor dem Spitzentreffen in Berlin sagte Ramsauer, die Wahrscheinlichkeit dafür halte er für sehr, sehr gering. Auch bei einer technisch einfachen Lösung werde die Zeit für eine Umsetzung äußerst knapp. Zwar sei er bereit konkrete Maut- Modelle vorzulegen, allerdings will der Minister die anstehenden Haushaltsverhandlungen abwarten. Bei den Verhandlungen erhofft sich Ramsauer auch eine Antwort auf die Frage, wie die Finanzengpässe bei der Straßensanierung in den nächsten Jahren überbrückt werden könnten. Ob die Antwort jegliche Diskussion um eine Maut beenden würde, bleibt ungewiss. Allerdings hatte Ramsauer auch stets deutlich gemacht, dass er bei einer Aufstockung seines Etats aus Steuergeldern auf die Maut vorerst verzichten könne. Endgültig vom Tisch ist die Diskussion wohl selbst dann noch nicht. Auch die Kritiker warten nun erst einmal ab. „Wir haben unsere Argumente gegen die Maut vorgebracht und sind bereit dies jederzeit wieder zu tun“, sagt Hilgenberg. Aus Sicht des AvD sei es wünschenswert die Pkw-Maut-Pläne ein für allemal zu begraben. Große Hoffnung hat man beim Automobilclub jedoch nicht. Zu regelmäßig sei das Thema in den vergangenen Jahren immer wieder aufgetaucht. „Maut-Murmeltiere ähneln da zu sehr ihren Artgenossen in den Alpen: Sie erwachen wieder nach dem Winterschlaf und dann diskutieren wir weiter“, sagt Götz.


















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