Missverstanden

Aus dem Magazin:
Ausgabe: 1 / 2012 - Sprache
Missverstanden
Als die PR-Verantwortlichen des Tabakkonzerns Reemtsma ihre Weihnachtsgrußkarten verschickten, hatten sie bestimmt auf eine andere Reaktion gehofft.
1. Februar 2012

Lothar Binding, SPD-Abgeordneter im Bundestag und  Fürsprecher des Nichtraucherschutzes, konnte an dem PR-Gag des Unternehmens jedenfalls keinen Gefallen finden. Die Reemtsma-Grußkarte zeigte einen Schokoladenweihnachtmann, an dessen Fuß ein Warnhinweis prangt, wie ihn sonst nur Zigarettenschachteln aufweisen müssen. „Schokolade fördert Karies“ stand dort in Druckbuchstaben. Binding zeigte sich empört. Karies mit Krebs zu vergleichen sei inakzeptabel. Hier würden Menschen mit einem Gag in die Sucht gelockt. Der Abgeordnete machte seinen Ärger über die Karte öffentlich, gab Interviews und schrieb Reemtsma einen offenen Brief. „Das ist Häme auf Kosten der Gesundheit“, sagte er Süddeutsche.de. Der Tabak-Konzern hatte mit dem PR-Coup eine Diskussion über die Reform der EU-Tabakrichtlinie anstoßen wollen und die Weihnachtskarte an mehrere Abgeordnete verschickt. „Die Karte war eine Spitze Kommunikation, um auf die Überregulierung hinzuweisen“, sagte Svea Milena Schröder, Sprecherin von Reemtsma dem pressesprecher. Die Reform sieht vor, dass Werbung und Marketing für Zigaretten zurückgefahren werden sollen. Reemtsma befürchtet, dass auf den Packungen künftig Schockfotos statt Warnhinweise Pflicht werden könnten. 

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