Milliarden Euro betrug der Gesamtwert der Transaktionen der vier Fusionen und Übernahmen mit Beteiligung deutscher Unternehmen, bei denen die Agentur Hering Schuppener beratend tätig war. Die Zahl bezieht sich auf die ersten drei Monate des laufenden Jahres. Damit liegt Hering Schuppener laut mergermarket M&A-Ranking erneut auf Platz eins im deutschen Markt.
Eine Seefahrt bleibt lustig.
Ausgabe: 3 / 2012 - Kritik
Wenn ein Kreuzfahrtschiff havariert, veröffentlichen Medien imposante Bilder. Für die Pressestellen der Kreuzfahrtunternehmen bedeuten sie viel Arbeit. Auch wenn man selbst nicht betroffen ist. Ohne Input der Veranstalter kann in kürzester Zeit das Image der gesamten Kreuzfahrtbranche gefährdet sein. Als am 13. Januar das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der Küste der italienischen Insel Giglio auf Grund lief, war daher nicht nur die Kommunikation der Reederei Costa Cruises gefordert. Auch die Pressestellen anderer Veranstalter wurden zu Anlaufstellen für Journalisten. Doch zum Unglück selbst äußerte sich diese zunächst nicht. Die Havarie betreffe lediglich die Reederei Costa Cruises und man wolle zunächst die Ergebnisse der offiziellen Untersuchung abwarten, bevor man sich eventuell äußere. Die Krisenkommunikation überließ man der betroffenen Reederei. Das Vorgehen ist verständlich und nachvollziehbar, aber für die Außenwahrnehmung der Branche problematisch. Wenige Informationen zum Unfallhergang und gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen der betroffenen Reederei und dem Schiffskapitän ließen viel Raum für Spekulationen. Das Kreuzfahrtenimage drohte ins Wanken zu geraten. Doch die Branche zieht Konsequenzen. Denn in die Organisation der Krisenkommunikation ist nun Bewegung gekommen.
Überrascht
Dass Kreuzfahrtschiffe havarieren, ist selten. „Da solch ein Unglück in diesem Ausmaß in Europa bislang noch nicht vorgekommen ist, hat es die Branche zwar nicht unvorbereitet, aber doch überraschend getroffen“, sagt Torsten Schäfer, Leiter Kommunikation des Deutschen Reiseverbands (DRV). Die Costa Concordia ist nur ein Einzelfall. Doch kurz nach dem Vorfall waren auch die Pressestellen der deutschen Kreuzfahrtunternehmen gefragt. „Eine so intensive Medienberichterstattung habe ich in unserer Branche noch nicht erlebt. Innerhalb weniger Stunden haben sich bei uns alle deutschen Leitmedien gemeldet und um eine Stellungnahme gebeten“, sagt Hansjörg Kunze, Vice President Marketing & Communication der Aida Cruises. Dabei sei zu diesem Punkt noch nicht einmal die Sachlage am Unglücksort geklärt gewesen. „Medien haben sehr schnell neben den offiziellen Aussagen der Costa Reederei und des Schiffskapitäns nach einer dritten Meinung gesucht“, sagt Negar Etminan, Leiterin Unternehmenskommunikation und Pressesprecherin bei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. Die Fragen seien dabei oft identisch gewesen: Woran kann das Unglück gelegen haben? Gibt es nun einen Einbruch bei den Reisebuchungen? Was tut Ihr Unternehmen, um die Sicherheit der Passagiere zu garantieren? „Wir haben gemerkt, wie wenig die meisten Journalisten über die Sicherheitsbestimmungen bei Kreuzfahrtschiffen wissen. Viele wussten nicht, dass es international verbindliche Regeln und Standards gibt“, sagt Etminan. Dabei sind Sicherheit, Piraterie und Umwelt eigentlich branchenübergreifend Dauerthemen in der Kommunikationsarbeit von Reiseveranstaltern. Bei Ereignissen, die mehrere Veranstalter betreffen, wie Streiks, Naturkatastrophen oder politische Unruhen, übernimmt dann üblicherweise der DRV die Koordination des Krisen- und Sicherheitsmanagements für die Reiseveranstalter. Speziell für die Kreuzfahrtbranche gibt es eine vergleichbare Organisation bislang nicht. „Das soll sich aber ändern. Die Krisenkommunikation der Kreuzfahrtbranche muss weiter verbessert werden, damit demnächst noch professioneller und schneller reagiert werden kann“, sagt Schäfer. Aus diesem Grund wollen Unternehmen und Verband die Themen aktiver angehen und nicht mehr anderen die Meinungshoheit überlassen. „Beim Unglück der Costa Concordia kamen viele vermeintliche Spezialisten in den Medien zu Wort. Doch ein verlässlicher und namhafter Experte zur Sicherheit an Bord von Kreuzfahrtschiffen fehlte“, sagt Schäfer. Die Branche will nun gemeinsame Experten als Ansprechpartner für Journalisten benennen und die Krisenkommunikation der Kreuzfahrtbranche unter dem Dach des DRV organisieren. Der DRV-Ausschuss Schiff, in dem die meisten deutschen Kreuzfahrtveranstalter vertreten sind, befinde sich bereits in der Abstimmung.
Signal gesetzt
Ein erstes Signal hat die Branche international in Sachen Sicherheit bereits gesetzt. Anfang Februar verpflichtete sie sich freiwillig, die international vorgeschriebenen Sicherheitsübungen an Bord noch vor Abfahrt aus dem ersten Hafen durchzuführen. Bislang hatte man der jeweiligen Schiffsbesatzung im Internationalen Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See ein Zeitfenster von 24 Stunden nach Reisebeginn gesetzt. Die einzelnen Unternehmen überprüfen jetzt die eigene, kommunikative Aufstellung für den Krisenfall. „In den Tagen nach dem Unglück haben wir erkannt, was wir im Notfall selber leisten müssten. Die Abläufe werden jetzt ausgewertet“, sagt Kunze. Für den Fall der Fälle will man vorbereitet sein. Denn das Unglück kam zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Die deutsche Kreuzfahrtbranche boomt. Sowohl der Umsatz als auch die Passagierzahl stiegen im letzten Jahr um jeweils mehr als zehn Prozentpunkte. Laut Studie des DRV sind 2011 1,4 Millionen Urlauber an Bord eines Hochseekreuzfahrtschiffes gegangen. Tendenz steigend. Von einer Verunsicherung der Gäste und potenzieller Kunden will man bei den Kreuzfahrtveranstaltern nichts wissen. Das ließe sich noch nicht abschätzen, so der Tenor aus den Presseabteilungen. Auch beim DRV glaubt man nicht, dass das Unglück der Costa Concordia langfristig gesehen zu einem Einbruch der Buchungszahlen führen wird. Die Branche schaut nach vorn. Auch in der Kommunikation: „Kurz nach der Havarie haben wir versucht, über Sicherheitsbestimmungen und Vorgänge an Bord aufzuklären und Medien und Reisebüros entsprechende FAQ mit Experten zur Verfügung gestellt. Jetzt müssen wir gegenüber potenziellen Schiffreisenden das Thema Sicherheit in allen seinen Facetten weiter besetzen. Es muss deutlich werden, wie sicher diese Art des Reisens ist“, sagt Etminan.
Foto: (c) Aida Cruises


















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