Milliarden Euro betrug der Gesamtwert der Transaktionen der vier Fusionen und Übernahmen mit Beteiligung deutscher Unternehmen, bei denen die Agentur Hering Schuppener beratend tätig war. Die Zahl bezieht sich auf die ersten drei Monate des laufenden Jahres. Damit liegt Hering Schuppener laut mergermarket M&A-Ranking erneut auf Platz eins im deutschen Markt.
Die Polizei, dein Freund auf Facebook
Ausgabe: 6 / 2011 - Strategisches Management
Warum es für die Polizei hilfreich ist, in sozialen Netzwerken zu fahnden, ist schnell erklärt – dort erreicht sie die Zielgruppe der unter 35-Jährigen. Während über Tageszeitungen oder Fernsehsender ein anderes Publikum angesprochen wird, kann die Polizei über Facebook gezielt Informationen verbreiten. Neben Vorteilen bei der Fahndung hat die Präsenz im Social Web noch einen anderen Effekt. Der direkte Dialog zu den Bürgern kann das Vertrauen zur Polizei auf- und ausbauen. Die Polizeidirektion Hannover startete daher Mitte Februar einen eigenen Auftritt auf Facebook. Das Projekt lief besser als erwartet, trotzdem ist unklar, ob der Modellversuch weiter geführt werden kann. Datenschutzbedingungen und die Diskussion um den „Like-Button” könnten dafür sorgen, dass die Fahndung über das soziale Netzwerk bald wieder vorbei ist. Die Polizei Hannover streift seit mehr als sechs Monaten durch das Netzwerk Facebook. Von den Ergebnissen sind die Verantwortlichen selbst überrascht: „Die Fahndungserfolge über diese Plattform sind bemerkenswert, außerdem haben wir mehr Nähe zu den Bürgern geschaffen, besonders zu jungen Menschen“, sagt Stefan Wittke, Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Polizeidirektion Hannover. Ein wichtiges Erfolgsrezept sei es, manchmal auch etwas lockerer in die Gespräche mit den Usern zu gehen. Das Ergebnis – über 30.000 Fans und acht Fahndungserfolge. Am Anfang des Projekts hatten die Beamten Bedenken, vor allem bei der Kommentarfunktion. „Wir hatten Sorge, dass wir durch eine Flut von Postings, Anrufen oder Mails lahmgelegt werden. Das ist aber ausgeblieben, unsere Fans sind sehr hilfsbereit, aber auch durchaus diszipliniert“, sagt Wittke. Sowohl das Medienecho als auch die Stimmen der Nutzer seien fast durchweg positiv. „Auch Kollegen aus anderen Städten waren vor Ort, um mehr über das Projekt zu erfahren“, sagt Wittke. Neben den Erfolgen brachte diese Präsenz aber auch Herausforderungen mit sich. Nicht nur das technische Einrichten des Kontos mussten sich die Beamten selbst beibringen. „Wir hatten vorher kaum Erfahrung mit Facebook und mussten überlegen, wie wir mit dem Thema Interaktion umgehen und beispielsweise auf Kritik reagieren“, sagt Wittke. Zurzeit arbeiten die Beamten der Polizei Hannover etwa ein bis zwei Stunden täglich an ihrem Facebook-Auftritt, zuständig für die Pflege ist die Pressestelle.
Enorme Transparenz
Die Rolle der Polizei zu definieren und zu überlegen, wie mit den Bürgern interagiert werden soll, hält auch Sebastian Denef, Wissenschaftler am Fraunhofer- Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT), für die größte Herausforderung beim Einsatz der Polizei im Social Web. Denef leitet das von der EU geförderte Forschungsprojekt Composite, das untersuchen soll, ob und inwieweit organisatorische und kulturelle Aspekte Veränderungsprozesse in Polizeiorganisationen beeinflussen. „Die Studie zur Identifizierung des Einsatzes von Social Media als zentrale Herausforderung für europäische Polizeiorganisationen ist ein Teil des Projekts. Insgesamt haben wir in zehn europäischen Staaten Interviews geführt, um herauszufinden, wie die Polizei dort mit dem Thema Social Media umgeht“, sagt Denef. Für die Polizeiarbeit ergäben sich durch Facebook und Co. große Chancen, da über diese Plattformen eine enorme Transparenz geschaffen werden könne. „Social Media, so zeigt unsere Studie, wird besonders in den Niederlanden und Großbritannien bereits aktiv genutzt. Allerdings sehen viele europäische Länder Social Media als zentrale Herausforderung der Zukunft“, sagt Sebastian Denef. Die deutsche Polizei sei vor allem aufgrund der Fahndungserfolge im Web 2.0 aktiv, im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, die das Web eher nutzten, um persönlichen Kontakt und Vertrauen zwischen Polizei und Bürgern herzustellen. Auch andere Polizeidirektionen in Deutschland sind überzeugt vom Projekt und wollen ebenfalls in den sozialen Netzwerken aktiv werden. „Die Polizei Hannover hat Pionierarbeit geleistet. Wir verfolgen das Geschehen auf Facebook und sind begeistert von den Erfolgen“, sagt Frank Millert, Pressesprecher der Polizei Berlin. Ein derartiges Projekt stehe auch bei ihm auf der Agenda. „Natürlich dürfen wir den Zug der neuen Medien nicht verpassen, da uns der Kontakt zu den Bürgern wichtig ist und wir eine Vielzahl sonst über kurz oder lang nicht mehr erreichen würden“, sagt Millert. Es sei allerdings wichtig, die Risiken und Chancen abzuwägen. Im Gegensatz zu ihren Kollegen in Hannover stehe die Berliner Polizei anderen Herausforderungen gegenüber. Die Beamten müssten solche Projekte genau planen und viele Richtlinien festlegen, nach denen sie arbeiten wollen. „Vorab sind viele Fragen zu klären, denn soziale Medien machen die Polizeiarbeit öffentlich. Die Bürger diskutieren und dokumentieren plötzlich ihre Arbeit und setzen sie unmittelbarer Kritik aus“, sagt Denef.
Übers Ziel hinaus
Polizeisprecher Stefan Wittke rät seinen Kollegen, vor dem Einsatz in sozialen Netzwerken, die aktuelle Datenschutzdebatte abzuwarten. „Die Fahndungserfolge der Polizei über Facebook dürfen nicht zu Lasten des Nutzers gehen“, sagt Michael Knaps, Landesbeauftragter für Datenschutz in Niedersachsen. Man dürfe nicht davon ausgehen, dass alle Nutzer über die Datenschutzbestimmungen bei Facebook aufgeklärt seien. „Die Polizei will alles an technischem Fortschritt mitnehmen, schießt dabei aber manchmal übers Ziel hinaus“, sagt Knaps. Schließlich vergesse das Internet nichts. Die Polizei hält dagegen. „Natürlich ist das Problem ernst zu nehmen. Allerdings wird das Internet als Fahndungsinstrument bereits seit Jahren genutzt, zum Beispiel über Presseportale“, sagt Wittke. Auch der Datenschutz der Nutzer steht zur Diskussion. Hintergrund der Debatte ist der „Gefällt- mir“-Button, mit dem auch externe Webseiten außerhalb der Facebookplattform eingebunden werden. „Sobald man auf einen Like-Button klickt, wird die eigene IP-Adresse an Facebook weitergeleitet, dazu muss man noch nicht einmal dort angemeldet sein“, sagt Knaps. Dann würden beispielsweise sogenannte Cookies auf der Seite des Nutzers landen. Diese Cookies werden unter anderem dafür Aus der Perspektive einer Überwachungskamera. Bilder wie diese werden auf Facebook als Fahndungsfotos veröffentlicht. verwendet, Benutzerprofile über das Surfverhalten eines Users zu erstellen. Auf ihrem Konto weist die Polizei Hannover darauf hin, dass die Nutzerdaten eventuell ins Ausland übermittelt werden, wo andere Datenschutzbestimmungen herrschten als in der EU. Einen „Gefällt-mir“-Button hat die Polizei nicht auf ihrer Seite. „Wir möchten natürlich, dass unsere Mitteilungen verbreitet werden. Wenn wir diese dann löschen, werden auch alle Verknüpfungen mitgelöscht“, sagt Wittke. Michael Knaps ist skeptisch und weist auf den Kontrollverlust bestimmter Daten hin: „Daten und Infos über Personen werden zwar irgendwann von der Polizei gelöscht, können aber in der Zwischenzeit von den tausenden Fans kopiert und weiterverbreitet werden.“ Auf der Seite der Polizei Hannover wurde mit den Usern über das Thema Datenschutz diskutiert. Viele Nutzer halten diese Diskussion allerdings für überflüssig: „Ich habe den Modellversuch der Polizei Hannover von Anfang an beobachtet. Und ich bin begeistert. Ich frage mich nur, warum jetzt so viel bürokratischer Aufwand betrieben werden muss, bis entschieden ist, ob es weitergeht und ob weitere Polizeidienststellen online gehen“, sagt Manfred Jenkes, einer der Nutzer. Mittlerweile hat die Polizei Mecklenburg-Vorpommern mit einem eigenen Account nachgezogen. Ob die Polizei Hannover auch weiterhin auf Facebook zu finden sein wird, müsse nun geklärt werden, sagt Wittke. Ihren Abschlussbericht hat die Polizeidirektion beim Niedersächsischen Innenministerium abgegeben. „Bis zur endgültigen Entscheidung bleiben wir auf jeden Fall online.“


















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