Milliarden Euro betrug der Gesamtwert der Transaktionen der vier Fusionen und Übernahmen mit Beteiligung deutscher Unternehmen, bei denen die Agentur Hering Schuppener beratend tätig war. Die Zahl bezieht sich auf die ersten drei Monate des laufenden Jahres. Damit liegt Hering Schuppener laut mergermarket M&A-Ranking erneut auf Platz eins im deutschen Markt.
Brückenschlag
Ausgabe: 7 / 2011 - Image
Die Teilnehmer des Milchforums NRW mussten sich Mitte September einiges anhören. Unter dem Motto „Die Heidi im Herzen – Der Melkroboter im Stall“ waren sie auf Einladung der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein- Westfalen, Mitte September zusammengekommen. Diskutiert werden sollte unter anderem über die Herausforderung der Milchwirtschaft zwischen landwirtschaftlicher Realität und gesellschaftlichen Ansprüchen. Wilhelm Brüggemeier, Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein- Westfalen, sieht künftig auch die Branchenkommunikation stärker gefordert: Man müsse der Öffentlichkeit klar machen, dass die Produktion nicht immer so ablaufen könne, wie es in Heide- Filmen dargestellt werde, die Produktqualität darunter jedoch nicht leide, sagte er den Teilnehmern. Diskutant Klaus Kocks drückte sich nicht so diplomatisch aus. Die Kommunikationsarbeit der Milchwirtschaft sei unzureichend, Auszeichnungen veraltet und die Werbefiguren nicht mehr zeitgemäß. Die Folge sei verheerend: Die Menschen verlören den Kontakt zur Branche. Nach einer aktuellen Verbraucherstudie der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) vertrauten nur noch knapp 18 Prozent der Befragten den Herstellern von Lebensmitteln. Die Milchwirtschaft muss reagieren. Für die Kommunikationsabteilungen bedeutet dies, die Diskrepanz zwischen der Vorstellung der Verbraucher und der Realität zu überwinden und neue Berührungspunkte für die Kommunikationsarbeit zu finden.
Idealisiertes Bild
Für viele Verbraucher sei die lila Kuh, die auf idyllisch grüner Wiese für Schokolade wirbt oder die Bäuerin, die den Joghurt noch per Hand cremig rührt, die Idealvorstellung von Landwirtschaft, manchmal der einzige Berührungspunkt zur Landwirtschaft, sagte Kocks beim NRW-Milchforum. „Aus diesem Grund muss der Verbraucher erst recht über die realen Bedingungen innerhalb der Wertschöpfungskette informiert werden“, sagt Björn Börgermann, Pressereferent des Milchindustrie-Verbands (MIV). Dass viele Menschen noch immer ein falsches Bild von der modernen Milchwirtschaft besitzen, liege auch an der falschen Darstellung, sagt er. Schon in Schulbüchern werde die Darstellung romantisiert. „Neben einem Fachwerkhäuschen sind dort dann drei glücklich aussehende Kühe, ein paar Ferkel, Hühner und ein pausbäckiger Bauer abgebildet“, sagt Börgermann. Das idealisierte Bild hat mit dem realen Arbeitsalltag aller an der Milchwirtschaft beteiligten nichts mehr gemein. „Der heutige Landwirt ist Unternehmer“, sagt Godja Sönnichsen, Leiterin Unternehmens- und Markenkommunikation sowie Pressesprecherin beim Deutschen Milchkontor (DMK). Hinzu kommt, dass sich nicht nur die Wirtschaft weiter entwickelt hat, sondern auch der Konsument. „Der Verbraucher ist insgesamt kritischer geworden“, sagt Sönnichsen. Es werde wesentlich mehr darauf geachtet, wie ein Produkt hergestellt werde. Die Unternehmen müssen darauf reagieren. „Gefährlich wird es, wenn die Verbraucher durch die falsche Vorstellung den Bezug zur Realität verlieren“, sagt Frank Maurer, Pressereferent der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen (LV Milch NRW). Überzogene Ansprüche seien oftmals die Folge und Gerüchte verbreiten sich besonders im Internet sehr schnell. „Gerade im Zusammenhang mit Milch und Milchprodukten werde von Kritikerseite oftmals mit sehr viel Idiotie argumentiert“, sagt Egbert Roggentin, Pressesprecher der Initiative Milch. Milch verschleime Darm und Atemwege, sei Auslöser für Diabetes und verursache Krebs – auch Björn Börgermeier kennt sie alle. „Einige Vorurteile wird man aber auch mit Daten und Fakten nichts entgegensetzen können. Das sind Dauerbrenner“, sagt er. Auf jeden Vorwurf reagieren zu müssen hält er deshalb aber auch nicht für notwendig. Hinter dem DMK stehen über 11.000 Milcherzeuger, die im Jahr 6,8 Milliarden Kilogramm Milch an die 23 Verarbeitungsstandorte liefern. Ein Potenzial, das sich auch in der Kommunikation nutzen lässt. Deshalb ermöglicht das DMK den Journalisten oftmals den Blick hinter die Kulissen. „Unser genossenschaftlicher Hintergrund, ermöglicht die Darstellung der ganzen Wertschöpfungskettevom Bauernhof bis ins Kühlregal des Supermarkts“, sagt Sönnichsen.
Emotionale Ansprache
Fakten darlegen und transparent kommunizieren sei ein Weg, um dem Verbraucher zu begegnen, sagt Roggentin. „Oftmals ist es jedoch einfacher, die Menschen auf emotionaler Ebene anzusprechen“. Vorteilhaft spielt der Milchwirtschaft dabei das gute Image der Milch in die Hand. Laut einer repräsentativen emnid - Studie halten 88 Prozent der Deutschen die Milch als Lebensmittel sogar für unverzichtbar. Der Blick in eine Melkstation erschüttert oftmals die Verbrauchervorstellung von der Milchwirtschaft. Slogans wie „Milch macht müde Männer munter“, mit der die Milchindustrie seit den 1950er Jahren versucht hat den Umsatz anzukurbeln, oder auch die CMA-Kampagne „Die Milch macht‘s“ aus den 1990er-Jahren sind noch immer in den Köpfen vieler Menschen präsent. „Das sollte man nutzen, um das Image der Milch weiter zu verbessern“, sagt Roggentin. Seit 2010 informiert die Initiative Milch über ein Internetportal Lehrer, Eltern und Schüler zum Themenfeld Schulmilch, veranstaltet mit verschiedenen Partnern aus der Wirtschaft Gewinnpiele. Wie emotionale Ansprache ebenfalls aussehen kann, zeigt Lotte. Lotte ist eine schwarzweiß-gefleckte Plüschkuh. Mit Sonnenbrille, blondgefärbter Tolle und breitem Grinsen ist das Maskottchen der Kampagne „Milch kann mehr“ seit zwei Jahren Lotte bereits in NRW unterwegs. „Wir setzen Lotte bei den verschiedensten Gelegenheiten ein. Bei Aktionen auf Bauernhöfen, in Molkereien, Schulhöfen oder regionalen Veranstaltungen und Messen“, sagt Maurer. Bei Groß und Klein wirbt Lotte dann für die nordrheinwestfälische Milchwirtschaft. Neben aufmerksamkeitswirksamen Aktionen wie einem Fallschirmsprung oder Lotte beim Eislaufen ist auch ein „Lotte-Mobil“ unterwegs, indem vor allem Kinder an mehreren Stationen in Videos und Spielen erfahren, wie heute Milch produziert wird. Dass man mit Aktionen rund um Plüschkuh Lotte oftmals die gleichen Bilder inszeniert, wie sie die Werbung nutzt, ist man sich bei der Landesvereinigung Milch NRW bewusst. „Aber es ist auch gerechtfertigt, wenn wir damit den Blick der Verbraucher auf das Thema Milch lenken können“, sagt Maurer.


















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